Organisatorische Fragen in der HP- bzw. HPP-Prüfungsvorbereitung

Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen, die sich Ihnen in der Vorbereitungsphase auf Ihre HP-bzw. HPP-Prüfung stellen. Haben Sie weitere Fragen, so beantworten wir Ihnen diese gerne persönlich. Senden sie einfach eine E-Mail an info<script type="text/javascript"> obscureAddMid() </script>isolde-richter<script type="text/javascript"> obscureAddEnd() </script>de
 

Die Ausbildung für Heilpraktiker ist vom Gesetzgeber nicht geregelt. Das heißt, dass es ist Ihnen letztendlich selbst überlassen ist, wie Sie sich für die Prüfung vorbereiten. Wichtig ist nur, dass Sie den prüfungsrelevanten Stoff beherrschen.

Der Gesetzgeber zählt im Heilpraktikergesetz (HeilpG) fünf Voraussetzungen auf, die erfüllt sein müssen, damit Sie eine Erlaubnis zum Ausüben der Heilkunde erhalten können.

  • Der Anragsteller muss mindestens 25 Jahre alt sein. (Nachweis: Geburtsurkunde)
  • Er muss mindestens einen Hauptschulabschluss haben. (Nachweis: letztes Schulzeugnis)
  • Er muss sittlich zuverlässig sein. (Nachweis: Polizeiliches Führungszeugnis)
  • Er muss gesundheitlich geeignet sein. (Nachweis: Ärztliches Attest)
  • Er darf keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder seiner Patienten sein.


Wenn Sie diese Voraussetzungen erfüllen, werden Sie zur Prüfung zugelassen.
Bei der Prüfung weisen Sie nach, dass Sie „keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung“ darstellen. Nach Bestehen der Prüfung bescheinigt Ihnen dies das Gesundheitsamt. Diese Bescheinigung benötigen Sie, wenn Sie einen Erlaubnisschein zum Ausüben der Heilkunde gemäß dem Heilpraktikergesetz beantragen.

Am 22. März 2018 wurden Leitlinien in Kraft gesetzt, die die Überprüfung der Heilpraktiker-Anwärter regeln.


Prüfungstermine

Pro Jahr gibt es bundeseinheitlich zwei Termine für die schriftliche Überprüfung (1. Prüfungsteil), und zwar jeweils am 
•    3. Mittwoch im März und am 
•    2. Mittwoch im Oktober
Hat man den schriftlichen Teil bestanden, so erhält man anschließend einen Termin für die mündliche Überprüfung (2. Prüfungsteil) vom Gesundheitsamt zugeteilt.



Anmeldefristen

Die jeweiligen Anmeldefristen zur Überprüfung sind in den einzelnen Bundesländern leider nicht einheitlich festgelegt, es gibt zum Teil erhebliche Unterschiede. Zumeist gilt eine Anmeldefrist, die etwa drei Monate vor dem Termin zur schriftlichen Überprüfung ausläuft. Sie sollten die Anmeldefrist jedoch unbedingt bei dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt erfragen. Fast alle Gesundheitsämter haben die für sie geltenden Anmeldungsfristen und die erforderlichen Unterlagen im Internet eingestellt.
Der mündliche Überprüfungstermin (2. Prüfungsteil) folgt für Antragsteller, die im März den schriftlichen Teil erfolgreich absolviert haben, meist in den Monaten April bis September. Für Antragsteller, die den schriftlichen Teil der Überprüfung im Oktober erfolgreich absolviert haben, liegen die Termine meist in den Monaten November bis Februar.


Lange Wartezeiten

Bei einigen Gesundheitsämtern müssen Sie mit übermäßig langen Wartezeiten rechnen. Dagegen können Sie jedoch Einspruch erheben. Da Sie als antragsberechtigter Bürger einen Rechtsanspruch darauf haben, dass über Ihren Antrag in angemessener Frist entschieden wird, raten wir Ihnen zu diesem Schritt. Hier können Sie einen entsprechenden Formulierungsvorschlag herunterladen >>

Sie haben Ihren Wohnsitz in Deutschland:

In der Regel ist das Gesundheitsamt zuständig, in dessen Zuständigkeitsbereich Sie Ihren Wohnsitz haben, da man davon ausgeht, dass Sie beabsichtigen, hier auch Ihre Praxis zu eröffnen. Beabsichtigen Sie jedoch, Ihre Praxis an einem anderen Ort zu eröffnen, so ist diejenige Behörde für Sie zuständig, in deren räumlichen Zuständigkeitsbereich die heilpraktische Tätigkeit ausgeübt werden soll.
In diesem Fall gilt für Sie das unter "Wohnsitz im Ausland" beschriebene Vorgehen.


Sie haben Ihren Wohnsitz im Ausland:

Wenn Sie im Ausland leben und hier in Deutschland zur Heilpraktiker-Überprüfung zugelassen werden möchten, ist diejenige Behörde für Sie zuständig, in deren räumlichen Zuständigkeitsbereich die heilpraktische Tätigkeit ausgeübt werden soll. Bei der Antragstellung sind objektive und nachvollziehbare Gründe für den geplanten Niederlassungsort in Deutschland anzugeben. Nachvollziehbare Gründe können beispielsweise bestehende geschäftliche oder familiäre Beziehungen sein. Am einfachsten ist es, wenn Sie hier in Deutschland einen bereits bestehenden Haupt- oder Nebenwohnsitz haben.
Sie sollten aber auf jeden Fall das Gesundheitsamt in dem Sie die Prüfung ablegen möchten kontaktieren und erfragen, welche Nachweise sie haben möchten, da es da große Unterschiede zwischen den Gesundheitsämtern gibt. So verlangen beispielsweise einige Gesundheitesämter den Mietvertrag für Praxisräume, anderen genügt die Absichtserklärung.

Beispiel für Begründungen des Prüfungsortes:

Ich beabsichtige eine künftige HP-Praxis in (z.B. meiner Geburtsstadt) Berlin zu eröffnen, weil ich

  • wieder dort hinziehen möchte. Ich habe lange Jahre dort gewohnt und möchte wieder zu meinen Wurzeln zurückkehren.
  • dort Verwandte (Eltern, Schwester, Freunde, Geschäftspartner) habe, die für mich schon auf der Suche nach geeigneten Praxisräumen sind.
  • mit Studienkollegen (Freunden) gemeinsam eine Praxis eröffnen möchte.
  • dort bereits eine Wohnung mit Praxis in Aussicht habe.

 

Bei Nichtbestehen der Überprüfung steht Ihnen innerhalb eines Monats ein Widerspruchsrecht zu. Eine Möglichkeit die Überprüfung zu wiederholen, besteht nach einem halben Jahr. Die Zahl der möglichen Wiederholungen ist nicht beschränkt.
Es muss bei jeder Wiederholung auch der schriftliche Teil wiederholt werden, selbst wenn man diesen bestanden hatte und man nur an der mündlichen Überprüfung gescheitert ist.

Sonderfall Hessen
In Hessen gilt: Bei Nichtbestehen der HP- bzw. HPP-Prüfung kann diese dreimal wiederholt werden. Das bedeutet ein Prüfling kann die Prüfung viermal versuchen (4 Anläufe). Nach dem 4. Fehlversuch kann der Prüfling sein Glück noch in einem anderen Bundesland versuchen, bei dem die Anzahl der Anläufe nicht begrenzt ist. Allerdings muss er bei diesem Gesundheitsamt nachweisen, dass es zuständig ist. Dies kann durch die Vorlage der Meldebescheinigung oder der Bestätigung, dass er Praxisräume im Zuständigkeitsbereich angemietet haben. Besteht der Prüfung in diesem anderen Bundesland die Prüfung, so gilt diese bundesweist - also auch in Hessen.
 

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihre Anmeldung zur Prüfung.

  1. Ermitteln Sie das für Sie zuständige Gesundheitsamt. 
    Fragen Sie bei Ihrem Rathaus am Ort oder beim Landratsamt nach, welches Gesundheitsamt für Ihre HP-Überprüfung zuständig ist. Grundsätzlich setzen die Zulassungsstellen voraus, dass Sie entweder Ihren ersten oder zumindest zweiten Wohnsitz im Zuständigkeitsbereich der Zulassungsstelle haben oder objektiv nachvollziehbar darlegen können, dass Sie in deren Zuständigkeitsbereich nach Erteilung der HP-Erlaubnis eine HP-Praxis eröffnen und betreiben wollen.
  2. Da die Gesundheitsämter den Landratsämtern unterstellt sind, richten Sie Ihren Antrag an das zuständige Landratsamt/Gesundheitsamt. Ihren Antrag können Sie in etwa so formulieren:
    An das Landratsamt/Ordnungsamt
    Straße
    PLZ + Ort

    Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
    hiermit beantrage ich die Erlaubnis zum Ausüben der Heilkunde gemäß dem Heilpraktikergesetz. Bitte teilen Sie mir mit, welche Unterlagen ich im Einzelnen vorlegen muss, damit meinem Antrag stattgegeben werden kann. 

    Hochachtungsvoll
    (Unterschrift)

     
  3. Nun warten Sie auf die Mitteilung des Landratsamt, welche Unterlagen benötigt werden. Das ist von Amt zu Amt verschieden. Man wird Ihnen mitteilen, dass Sie in jedem Fall  folgende Unterlagen benötigen, um Ihrem Antrag stattgeben zu können:
     
    • Ihren Personalausweis oder die Geburtsurkunde als Nachweis, dass Sie mindestens 25 Jahre alt sind.
    • Ihr letztes Schulzeugnis als Nachweis, dass Sie mindestens einen Hauptschulabschluss haben. 
    • Ein polizeiliches Führungszeugnis als Nachweis, dass Sie sittlich zuverlässig sind. Dieses können Sie beim zuständigen Ordnungsamt beantragen. Bitte beachten Sie, dass dieses beim Ablegen der Überprüfung nicht älter als drei Monate sein darf.   
    • Ein ärztliches Attest, um Ihre gesundheitliche Eignung nachzuweisen.

    Am besten formulieren Sie das Schreiben selbst vor und lassen es dann vom Arzt unterschreiben und stempeln. Muster:

    An das Landratsamt/Ordnungsamt
    Straße
    PLZ + Ort

    Hiermit bestätige ich Herrn/Frau ......................
    dass er/sie in gesundheitlicher Hinsicht geeignet ist, den Beruf des Heilpraktikers auszuüben.
     
  4. Je nachdem in welchen Bundesland Sie leben, wird man von Ihnen eventuell noch verlangen:
  • Einen kurz gefassten Lebenslauf
  • Eine Erklärung, ob ein gerichtliches Strafverfahren oder ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren gegen Sie läuft
  • Die Angabe, ob bereits früher eine Erlaubnis erteilt wurde, die Ihnen wieder entzogen wurde

Für die Anmeldung beim Gesundheitsamt Freiburg können Sie sich unter nachstehendem Link ein Informationsblatt herunterladen. Die genauen Prüfungstermine und Antragsfristen finden Sie >> hier.
 

Die Überprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.

Schriftliche Prüfung

Die schriftliche Überprüfung besteht in der Regel aus 60 bis 80 MC-Fragen (Antwort-Wahlverfahren). Davon müssen 75 Prozent richtig beantwortet sein, damit die Prüfung als bestanden gewertet wird. Allerdings kann es sein, dass ein Bundesland von den 75 Prozent abweicht. In diesem Fall werden Sie jedoch von der prüfenden Stelle darauf hingewiesen. Nur wer den schriftlichen Teil bestanden hat, wird zur mündlichen Überprüfung zugelassen.


Mündliche Prüfung

Die mündliche Prüfung dauert mindestens 15 und höchstens 60 Minuten. Es kann in Gruppen mit bis zu vier Antragstellern geprüft werden. Im mündlichen Teil der Überprüfung sind die gestellten Fragen vom Antragsteller in freier Form zu beantworten. Dem Antragsteller kann auch eine praktische Aufgabe gestellt werden, deren Handhabung er dem Prüfungsgremium zu demonstrieren hat.

Inhalt der Überprüfung (nach den Richtlinien)

1 Inhalte der Überprüfung

Ziel der Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten der antragstellenden Person ist es festzustellen, ob von ihrer Tätigkeit bei der Ausübung von Heilkunde eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung im Allgemeinen oder die Patientinnen und Patienten im Besonderen ausgehen kann. Dementsprechend ist bei den nachfolgenden Gegenständen der Überprüfung insbesondere darauf zu achten, dass die antragstellende Person die Grenzen ihrer persönlichen Kennt­nisse und Fähigkeiten kennt, sich der Gefahren im Falle ihrer Überschreitung bewusst und bereit ist, ihr berufliches Handeln danach auszurichten.

 

1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen

1.1.1  Die antragstellende Person kennt das Gesundheitssystem in Deutschland in seinen wesentlichen Strukturen und weiß um die Stellung des Heilpraktikerberufs in diesem System.

1.1.2  Die antragstellende Person kennt die für die Ausübung des Heilpraktikerberufs relevanten Rechtsvorschriften aus dem Straf- und Zivilrecht sowie aus anderen einschlägigen Rechtsgebieten, insbesondere das Heilpraktikergesetz, das Patientenrechtegesetz, das Heilmittelwerbegesetz und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und ist in der Lage, ihr Handeln im Interesse des Patientenschutzes nach diesen Regelungen auszurichten.

1.1.3  Die antragstellende Person kennt die medizinrechtlichen Grenzen sowie Grenzen und Gefahren allgemein üblicher diagnostischer und therapeutischer Methoden bei der Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten aufgrund von Arztvorbehalten insbesondere im Bereich des Infektionsschutzes, im Arzneimittel- oder Medizinprodukterecht und ist in der Lage, ihr Handeln nach diesen Regelungen auszurichten.

1.1.4  Die antragstellende Person kann ihre eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten zutreffend einschätzen; sie weiß ins­besondere über die Grenzen ihrer Fähigkeiten auch mit Blick auf ihre haftungsrechtlichen Verantwortlichkeiten Bescheid.

 

1.2 Qualitätssicherung

1.2.1  Der antragstellenden Person sind die Grundregeln der Hygiene einschließlich Desinfektions- und Sterilisationsmaßnahmen bekannt; sie ist in der Lage, diese bei der Ausübung des Berufs zu beachten.

1.2.2  Die antragstellende Person ist sich der Bedeutung von Qualitätsmanagement und Dokumentation bei der Berufsausübung bewusst; sie ist in der Lage, diese Kenntnisse bei der Ausübung des Berufs zu beachten.

 

1.3 Notfallsituationen
Die antragstellende Person ist in der Lage, Notfallsituationen oder lebensbedrohliche Zustände zu erkennen und eine angemessene Erstversorgung sicherzustellen.

 

1.4 Kommunikation

1.4.1  Die antragstellende Person verfügt über die für eine Ausübung des Heilpraktikerberufs notwendigen Kenntnisse in der medizinischen Fachterminologie.

1.4.2  Die antragstellende Person kann aufgrund dieser Kenntnisse angemessen mit Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen kommunizieren und interagieren.

1.4.3  Die antragstellende Person ist im Rahmen ihrer Stellung im Gesundheitssystem in der Lage, sich mit anderen Berufsgruppen und Institutionen im Gesundheitswesen fachbezogen zu verständigen.

 

1.5 Medizinische Kenntnisse

1.5.1  Die antragstellende Person verfügt über die zur Ausübung des Heilpraktikerberufs notwendigen Kenntnisse der Anatomie, pathologischen Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie sowie Pharmakologie.

1.5.2  Die antragstellende Person verfügt über die zur Ausübung des Heilpraktikerberufs notwendigen Kenntnisse der allgemeinen Krankheitslehre sowie akuter und chronischer Schmerzzustände.

1.5.3  Die antragstellende Person verfügt über die zur Ausübung des Heilpraktikerberufs notwendigen Kenntnisse zur Erkennung und Behandlung von physischen und psychischen Erkrankungen bei Patientinnen und Patienten aller Alters­gruppen, insbesondere in den Bereichen von:

  • Erkrankungen des Herzes, Kreislaufs und der Atmung
  • Erkrankungen des Stoffwechsels und des Verdauungsapparats
  • immunologischen, allergologischen und rheumatischen Erkrankungen
  • endokrinologischen Erkrankungen
  • hämatologischen und onkologischen Erkrankungen
  • Infektionskrankheiten
  • gynäkologischen Erkrankungen
  • pädiatrischen Erkrankungen
  • Schwangerschaftsbeschwerden
  • neurologischen Erkrankungen
  • dermatologischen Erkrankungen
  • geriatrischen Erkrankungen
  • psychischen Erkrankungen
  • Erkrankungen des Bewegungsapparats
  • urologischen Erkrankungen
  • ophthalmologischen Erkrankungen
  • Erkrankungen des Halses, der Nase und der Ohren

Suchen Sie sich ein gutes und seriöses Ausbildungsinstitut, das Ihnen das für die Prüfung notwendige Wissen vermittelt. Sind Sie Schüler der Heilpraktikerschule Richter, so haben Sie diesbezüglich schon das große Los gezogen! Arbeiten Sie gründlich alle Lehrhefte durch.


Zusätzlich sollten Sie noch folgende Fähigkeiten gründlich schulen:

  • Das Lösen von MC-Fragen
    Unser E-Learning-Portal bietet Ihnen umfassende Unterstützung beim Lernen und Verfestigen des Unterrichtsstoffs.
    • Zu allen prüfungsrelevanten Themen und Organsystemen finden Sie im Fragenzentrum des E-Learning-Portals zahlreiche MC-Fragen (Multiple Choice) zum Üben in verschiedenen Modi. 
    • Ebenfalls im E-Learning-Portal können Sie die originalen Amtsarztfragen der letzten 12 Jahre nutzen, um Prüfungssimulationen durchzuspielen oder die Fragen im Themenmodus abzuarbeiten. Dabei handelt es sich um die originalen Prüfungsfragen, wie Sie von den Gesundheitsämtern gestellt wurden, die die Prüfung nach den Richtlinien des Bundes und der Länder vornehmen.
  • Praktische Fähigkeiten
    Die Prüfungsrichtlinien verlangen von Ihnen, dass sie eine praktische Tätigkeit durchführen, z.B. abhören, abtasten, abklopfen oder eine Injektion setzen.
    • Besuchen Sie deshalb einen entsprechenden Untersuchungskurs. Wir bieten an unserer Schule laufend solche Kurse an.

Tipps für die mündliche Prüfung

Wissenslücken

Die Medizin ist ein riesiges, unüberschaubares Gebiet. Heute ist es niemandem mehr möglich, das gesamte medizinische Wissen zu erlernen. Dies ist der Grund, warum es so viele Fachärzte gibt. Man wird in der Prüfung also nicht von Ihnen verlangen, dass Sie alles wissen - es geht vielmehr darum zu zeigen, dass Sie über ein solides medizinisches Grundwissen verfügen.
Vor allem müssen Sie in der Lage sein, gefährliche von ungefährlichen Erkrankungen zu unterscheiden.

Nur bei einigen Themen sind Fehler gleichbedeutend mit einem "Aus" für die Prüfung (zumindest für ein halbes Jahr), das sind:

  • Gesetzeskunde:  Sie müssen genau wissen, was Sie als Heilpraktiker dürfen und was nicht.
  • Notfallverhalten: Sie müssen in der Lage sein, Notfälle als solche zu erkennen und wissen, wie Sie in einzelnen Fällen wirksame Erste-Hilfe-Maßnahmen leisten können.
  • Infektionskrankheiten: Einen Prüfungsschwerpunkt bilden die Infektionskrankheiten mit Behandlungsverbot - diese müssen daher besonders gut gelernt werden. Allerdings sind nicht alle gleich bedeutend. Einen Schwerpunkt bilden vor allem die Kinderkrankheiten, die Tuberkulose, die Virushepatitis und die sexuell übertragbaren Krankheiten.
  • Desinfektion/Sterilisation: Die Unterschiede und Techniken müssen Sie genau wissen.

Reden, reden, reden

In der mündlichen Prüfung bleiben dem Prüfer ca. 20 bis 30 Minuten um einzuschätzen, ob Sie eine "Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung" wären. Er muss sich bei der Beurteilung also auf Ihr ("selbstsicheres"?) Auftreten verlassen und darauf, was Sie verbal von sich geben. Wenn Sie aber das meiste Ihres Wissen nur gedanklich aufsagen, kann der Prüfer nicht erkennen, wie groß Ihr medizinisches Wissen ist. Denken Sie deshalb laut!

Legt Ihnen der Prüfer z.B. ein Bild vor, so können Sie sagen, leider kann ich auf dem Bild nicht genau erkennen, ob es sich hier um Lichtblitze oder um kleine Eiterstippchen handelt. Wenn es Eiterstippchen sind, dann denke ich … So weiß der Prüfer, dass Sie über das entsprechende Wissen verfügen. Sitzen Sie dagegen nur stumm da und überlegen fieberhaft, worum es sich handeln könnte, so wird der Prüfer vermuten, dass Ihnen nichts einfällt.

Wichtige Regel: Den Prüfer an allen gedanklichen Zwischenschritten teilhaben lassen!

Den Prüfer nicht langweilen!

Nun sollen Sie in der Prüfung zwar reden, reden, reden – aber nicht darum herumreden ("labern"). Wenn Sie also zu einer Frage keine Antwort wissen und Ihnen auch keine differenzialdiagnostischen oder sonstigen Überlegungen einfallen, so ist es besser, dies zu sagen. Es ist nicht gut, einfach herumzureden und zu versuchen, etwas ganz anderes zu sagen als gefragt wurde.


Black-out

Jeder hat die Horrorvorstellung, vor dem Prüfer zu sitzen und auf eine Frage hin völlig blockiert zu sein. Da so etwas in Prüfungen häufiger vorkommt, ist es sinnvoll, dies dem Prüfer mitzuteilen. Sagen Sie z.B.: „Ich habe im Moment ein völliges Black-out. Ist es vielleicht möglich, mir diese Frage später noch einmal zu stellen?“ So weiß der Prüfer, was mit Ihnen los ist und oft hilft alleine schon das Reden, um dem Black-out zu entkommen.


Notfall und Behandlungsverbot ausschließen

Der Prüfer gibt Ihnen ein Fallbeispiel und fragt, was Sie in diesem Fall machen würden. Stellen Sie immer folgende Überlegungen an:

  1. Handelt es sich um einen Notfall?  Muss ich also den Notarzt verständigen oder eine Klinikeinweisung veranlassen? Wenn nicht:
  2. Handelt es sich um eine Erkrankung mit Behandlungsverbot? Muss ich zu diesem Zeitpunkt bereits den begründeten Verdacht haben oder kann ich noch weitere allgemeine Untersuchungen vornehmen? Wenn nicht:
  3. Kann ich alle notwendigen Untersuchungen vornehmen oder sind weitere Untersuchungen notwendig (z.B. Szintigramm bei Schilddrüsenknoten), die nur von einem Arzt vorgenommen werden müssen? Wenn nicht:
  4. ... dann kann ich jetzt die Diagnose stellen. Dabei gilt es zu prüfen, ob die naturheilkundlichen Therapien in diesem speziellen Fall ausreichend sind oder ob verschreibungspflichtige Medikamente (z.B. Insulin) eingesetzt werden müssen. In diesem Fall dürfte der Heilpraktiker begleitend behandeln.

Denken Sie auch daran, dass Sie darauf überprüft werden, ob Sie in der Lage sind gefährliche von harmlosen Erkrankungen zu unterscheiden. Erwähnen Sie deshalb zuerst gefährliche Erkrankungen und dann erst die harmloseren, z.B. bei Bauchschmerzen zuerst das akute Abdomen und den Darmkrebs und dann das Reizdarmsyndrom.


Wissen, was der Prüfer denkt

Vielleicht hat der Prüfer einen ganz speziellen Fall im Sinn. Fragen Sie deshalb immer genau nach, was gemeint ist, damit Sie den gleichen Fall vor Ihrem geistigen Auge sehen wie der Amtsarzt.
Angenommen, der Prüfer schildert ein Fallbeispiel, z.B. ein Patient kommt in die Praxis und klagt über starke Müdigkeit und fragt, wie Sie in diesem Fall behandeln würden. Lassen Sie sich nicht vorschnell zu einer Antwort hinreißen. Gehen Sie alle Punkte durch, die im vorherigen Abschnitt gelistet sind.
Denken Sie auch immer daran, dass erst die Ursache eines Symptoms aufgedeckt werden muss, bevor behandelt wird. Schildern Sie also, welche Untersuchungen Sie in diesem Fall vornehmen würden und geben Sie dann erst an, wie Sie behandeln würden. Unterscheiden Sie bei der Therapie nach Ursachen- und Symptomtherapie. 

Keine „Anhiebsdiagnosen“ stellen

Lassen Sie sich zu keinen vorschnellen Diagnosen hinreißen. Wird Ihnen z.B. ein Bild mit einem gelblich verfärbten Patienten vorgelegt, so antworten Sie nicht vorschnell „Lebererkrankung“, sondern sagen Sie zunächst, dass Sie hier einen Ikterus sehen können! Schildern Sie nun, dass dafür verschiedene Möglichkeiten in Betracht kommen. Eine häufige Ursache dafür ist eine Leber- oder Gallenerkrankung, man muss auch ein Pankreaskopfkarzinom in Betracht ziehen. Erwähnen Sie aber auch seltenere Möglichkeiten wie z.B. perniziöse Anämie. Weisen Sie auch darauf hin, dass wenn lediglich ein Sklerenikterus vorliegt, dies auch ohne Krankheitswert sein kann (Gilbertsyndrom, sog. Meulenchrachtkrankheit). 
Schildern Sie dann, wie Sie vorgehen würden und welche Fragen und Untersuchungen jeweils sinnvoll sind, um die Ursache der Gelbfärbung aufzudecken.



Auf sicherem Terrain verweilen

Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich bei einem Thema, in dem Sie sich auskennen. Sprechen Sie deshalb Bereiche, in denen Sie sich unsicher fühlen, erst später an, wenn Sie schon mit Wissen glänzen konnten. Vielleicht haben Sie auch Glück und der Prüfer geht zur nächsten Frage über, weil er schon gehört hat, was er hören wollte und Sie konnten Ihr Angstthema vermeiden.
Manche Prüflinge steuern mit großem „Geschick“ sofort auf ihr Angstthema zu, vergleichbar einem Ski-Anfänger, der den einzigen Baum am Abhang anpeilt und darauf zufährt.


Verwirrung klären

Wenn Ihnen irgendetwas unverständlich ist oder Sie sich nicht sicher sind, z.B. "Hatte das Fallbeispiel das Symptom oder nicht?" fragen Sie einfach nach. 
Haben Sie nun mehrere Fragen zu einem Fall gestellt und wichtige Untersuchungen erwähnt, dann nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und fassen alles zusammen (natürlich laut!!). Dabei rufen Sie sich die wichtigen Befunde noch einmal ins Gedächtnis, sodass der Prüfer feststellen kann, ob Sie etwas falsch verstanden haben.

 

Bilder

Wenn Sie ein Bild vor sich liegen haben, klären Sie durch Fragen auch alles ab, was Sie nicht sehen können, z.B. "Gibt es auch Hauterscheinungen an anderen Körperteilen?", "Wie schnell ist das entstanden?" oder "Ist die Rötung schmerzhaft?". 
Bilder sind nicht immer deutlich oder eindeutig - also fragen Sie nach, wenn Sie z.B. nicht wissen, ob es sich um einen Schatten oder eine Pigmentstörung handelt.

Gedanken laut aussprechen

Wenn Sie Ihre Gedanken laut aussprechen, kann Ihnen der Prüfer wichtige Mitteilungen geben, wie "Das ist unwichtig." oder "Es handelt sich nicht um einen Ausschnitt des Unterschenkels sondern des Unterarms". 
Dann klären Sie Ihren nächsten Verdacht ab, genau wie später in der Praxis, denn da ist der erste Verdacht auch oft nicht der richtige. Damit zeigen Sie auch gleich, dass Sie differenzialdiagnostische Überlegungen anstellen können.


Auffälligkeiten

Wenn Sie nach einem Symptom fragen und der Prüfer in seiner Rolle als Patient antwortet: “Darauf habe ich nicht geachtet.“ oder „Das weiß ich nicht.“ haben Sie oft einen Volltreffer gelandet und er will es Ihnen nicht sagen, weil die Diagnose sonst zu einfach wäre. In diesem Fall klären Sie das „Drumherum“ ab und fragen nach Fakten, die mit dem Symptom zusammenhängen. 


Praktischer Teil

Manchmal möchte ein Prüfer, dass der Prüfling an ihm eine Untersuchung durchführt. Bleiben Sie in diesem Fall ruhig. In der Regel sind es einfache Untersuchungen wie Abhören oder Abklopfen, denn der Prüfer hat schließlich keine Lust sich in der Prüfung „frei zu machen“.

  • Gehen Sie nicht zu zaghaft vor. Der Prüfer möchte sehen, dass Sie dabei Sicherheit ausstrahlen, und dass Sie z.B. stark genug abklopfen, um eventuelle Veränderungen hören zu können.
  • Erwähnen Sie unbedingt, wenn Sie z.B. demonstrieren, wie eine Blutdruckmessung erfolgt und Ihnen der Prüfer seinen Arm mit Hemd hinhält, dass Sie eine solche Untersuchung nur am entblößten Arm vornehmen würden. Oder dass Sie eine Blutentnahme nur am liegenden Patienten durchführen würden.