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Schröpfen

 

Ziel des Schröpfens ist es, eine Ausleitung von Schadstoffen über die Haut zu erreichen. Von Heilpraktikern wird Schröpfen als Hautreizmethode eingesetzt. Man unterscheidet trockenes und blutiges Schröpfen.
(Angehende) Therapeuten können diese Methode zur Ausleitung und Entgiftung zum Beispiel im Rahmen ihrer Heilpraktikerausbildung erlernen. Siehe auch Ausleitungsverfahren

 

Das erste historische Zeugnis über die Schröpfkopfbehandlung reicht Jahrtausende zurück. In unseren Breitengraden geriet diese Methode im 15. Jahrhundert in die Hände von Badern und Feldscheren, die es als das sogenannte „blutige Handwerk“ betrieben. Durch ihr kritikloses Anwenden wurde die Methode in Verruf gebracht.

Im späten 19. und 20. Jahrhundert befand sich die Schröpfkopfbehandlung fast ausschließlich in der Hand von Laientherapeuten. Dies hing mit dem Aufkommen der klinisch-chemischen Forschung zusammen, durch die das Augenmerk von den Selbstheilungskräften des Menschen abgelenkt wurde. Im Vordergrund standen nun die medizinischen Apparate. Erst Bernhard Aschner verweist im Jahre 1928 in seinem Buch „Die Krise der Medizin“ wieder auf diese uralte Heilmethode.

Heute bieten viele Heilpraktiker mit verantwortungsvollem Einsatz diese wirkungsvolle Therapie vor allem im Rahmen einer Ausleitungs- und Entgiftungstherapie wieder an.

 

Geschröpft wird mit Schröpfgläsern, in denen ein Unterdruck erzeugt wurde. Man kennt drei verschiedene Arten des Schröpfens: das trockene und das blutige Schröpfen und die Schröpfkopfmassage, die nun im Folgenden dargestellt werden sollen.


Die Trockenschröpfung
Bevor man eine solche Schröpfung durchführt, kann der Heilpraktiker eine durchblutungsfördernde Salbe auftragen. Bei der Trockenschröpfung wird der Schröpfkopf auf die Haut gesetzt, ohne dass diese vorher angeritzt (skarifiziert) wurde. Durch den erzeugten Unterdruck saugt der Schröpfkopf Haut und Unterhautteile an. Der Schröpfkopf wird ungefähr 10 bis 15 Minuten aufsitzen gelassen. Im behandelten Areal kommt es zu einer deutlichen bläulich-rötlichen Verfärbung.
Sinn des trockenen Schröpfens ist es, über die entsprechenden Dermatome (Hautabschnitt aus dem die sensiblen Anteile eines Rückenmarksnervs stammen) eine entlastende Funktion auf die zugeordneten Organe zu er¬reichen. Das dabei erzeugte Hämatom (Bluterguss) wirkt einerseits im Sinne einer Eigenblutbehandlung, andererseits kommt es zu einer verbesserten Blutversorgung des behandelten Areals.

Die blutige Schröpfung

Bei der blutigen Schröpfung wird die Haut, nach vorschriftsmäßiger Desinfektion, an vorher genau bestimmten Stellen mittels eines Schröpfschnäppers oder mit einer Lanzette angeritzt, sodass es zu einem Blutaustritt kommt. Über diesen Stellen wird ein Schröpfkopf aufgesetzt, in dem ein Unterdruck erzeugt wurde. Nun tritt in diesen Schröpfkopf langsam Blut über. Es ist darauf zu achten, dass die zu skarifizierende Stelle frei von Salben ist.
Sinn des blutigen Schröpfens ist es, im gestauten Gebiet eine Entlastung zu erreichen. Des Weiteren hat blutiges Schröpfen eine blutverdünnende, entzündungshemmende, krampflösende und schmerzstillende Wirkung.

Die Schröpfkopfmassage

Die Schröpfkopfmassage führt der Heilpraktiker meist am Rücken durch. Dazu wird das zu behan¬delnde Areal vorher eingeölt, oder es wird eine durchblutungsfördernde Salbe aufgetragen. Dann wird der Schröpfkopf ohne vorheriges Anritzen der Haut aufgesetzt und über das zu behandelnde Gebiet weitergezogen. Die Schröpfkopfmassage ist in ihrer Wirkung mit einer Bindegewebsmassage vergleichbar. Sie wird normalerweise rechts und links der Wirbelsäule durchgeführt (paravertebral), wodurch es zu einer vermehrten Hautdurchblutung in diesem Gebiet kommt. Des Weiteren entkrampft sich die Muskulatur, was eine wesentliche Voraussetzung für die psychische Entspannung des Patienten ist und wodurch die Selbstheilungskräfte angeregt werden.
Die Schröpfkopfmassage kann mit einem, mit zwei oder auch mit mehreren Schröpfköpfen durchgeführt werden. Bei der Behandlung mit nur einem Schröpfkopf schiebt man diesen durch langsam drehende und schiebende Bewegungen vorwärts. Man beginnt mit der Behandlung meist entweder am Hals, unterhalb des Haaransatzes und zieht den Schröpfkopf seitlich der Wirbelsäule bis zur Kreuzbeinregion hinab. Dann bewegt man den Schröpfkopf weiter bis zur seitlichen Beckenregion, um den Abtransport der Schadstoffe über die Bauchlymphgefäße anzuregen.
Behandelt man mit mehreren Schröpfköpfen, so schiebt man zunächst einen Schröpfkopf ungefähr 10 cm weiter, dann lässt man ihn stehen und bewegt das andere Schröpfglas auf der gegenüberliegenden Körperseite bis zur gleichen Stelle vorwärts. Auf diese Art verfährt man, bis der ganze Rücken durchmassiert ist. Die Massagezeit sollte 5 bis höchstens 10 Minuten nicht überschreiten, da es den Patienten sonst zu sehr anstrengen könnte, oder es könnte auf die Behandlung eine zu heftige Reaktion erfolgen. 
Es gibt dünnwandige und dickwandige Schröpfgläser. Letztere haben den Nachteil, dass sie bei sitzender Position des Patienten leichter zu Boden fallen. Sowohl dünn- als auch dickwandige Gläser eignen sich zur Schröpfkopfmassage. Es gibt noch Dickwandgläser, die mittels einer Pumpvorrichtung evakuiert werden können. Ihre Handhabung ist etwas umständlich.

Wie schon gesagt, wird die Haut beim blutigen Schröpfen angeritzt (skarifiziert). Seit alters her werden dazu mechanische Gerätschaften verwendet. Schröpfschnäpper haben den Vorteil, dass mit einem Schlag mehrere Schnitte ausgeführt werden. Dadurch wird dem Patienten das Nacheinander mehrerer schmerzhafter Einschnitte erspart. Allerdings muss man wissen, dass beim Gebrauch des Schröpfschnäppers Narben zurückbleiben können, vor allem, wenn man an derselben Stelle mehrmals behandelt. Weiterhin kann es zu Pigmentierungsstörungen kommen, die über Monate bis hin zu einem Jahr beste¬hen bleiben können.
Bei der Anwendung des Schröpfschnäppers ist unbedingt darauf zu achten, dass dieser in Richtung der verlaufenden Akupunkturmeridiane angesetzt wird, so dass es nicht zur Erzeugung von Störfeldern kommt.

Lanzetten gibt es als Einmalmesserchen steril verpackt. Allerdings muss man mit ihnen kräftig und mindestens zehn Mal einstechen, ehe eine dem Schnäpper vergleichbare Ska-rifikation entstanden ist. Der Einstich ist etwas schmerzhafter als der Gebrauch des Schnäppers. Das Vorgehen hat jedoch den Vorteil, dass keine Narben zurückbleiben.

Die Erzeugung des notwendigen Unterdruckes kann auf mehrere Arten erfolgen:

Pumpvorrichtung

Ein Unterdruck kann mittels eines dem Schröpfglas aufgesetzten Gummiballes erzeugt werden. Eine andere Möglichkeit ist eine zusätzliche mechanische Pumpvorrichtung.

Gasfeuerzeug

Die einfachste Methode ist sicherlich die Verwendung eines Gasfeuerzeuges. Die Flamme des Feuerzeuges wird kurz in das Schröpfglas gehalten und danach der Schröpfkopf schnell aufgesetzt. Es ist darauf zu achten, dass das Glas nicht zu heiß wird, so dass es nicht zu Verbrennungen kommen kann. 

Watte

Eine umständlichere und von unserer Heilpraktikerschule nicht empfohlene Methode ist es, ein wenig feinst aufgeflockte Watte in den Schröpfkopf zu geben, wobei ein Ende der Watte mit einem Tropfen Wasser am Boden des Schröpfglases befestigt wird. Die Watte wird angezündet und am Ende des Abbrennvorganges wird das Schröpfglas auf die Haut aufgesetzt. Die Watte muss deshalb am Boden des Schröpfglases angeklebt werden, damit nicht Reste der brennenden Watte auf den Patienten fallen und kleine Brandwunden erzeugen.
Eine andere Möglichkeit ein Vakuum zu erzeugen ist, Watte oder einen Tupfer auf einen Watteträger aufzubringen, sie mit Spiritus zu tränken, anzuzünden und sie dann kurz in das Schröpfglas einzubringen. Nach dem Herausziehen wird das Schröpfglas sofort auf die Haut angesetzt. Dieses Hantieren mit Spiritus birgt naturgemäß Gefahren in sich und wird deshalb von unserer Heilpraktikerschule ebenfalls nicht empfohlen.

Head und Mackenzie beobachteten, dass bei Erkrankungen innerer Organe immer wieder Veränderungen in bestimmten Haut- und Unterhautsegmenten auftraten. Sie schlossen daraus, dass eine nervale Wechselwirkung zwischen inneren Organen und den dazugehörigen Körperflächen bestehen muss. Dabei stellten sie folgende Veränderungen fest:

  • Haut. In der Haut können sich hypersensible (überempfindliche) Zonen, Durchblutungsstörungen und übermäßige Schweißabsonderungen einstellen.
  • Bindegewebe. Im Bindegewebe kann es zu Spannungsveränderungen, Einziehungen, Eindellungen und Quellungen kommen.
  • Muskulatur. In der Muskulatur können sich überempfindliche Gebiete mit Muskelverspannungen einstellen, die man in der Tiefe spüren kann und die bei längerem Bestehen in eine Atrophie der Muskeln übergehen können.
  • Knochenhaut und Knochen. Veränderungen in der Knochenhaut und am Knochen führen zur Schmerzüberempfindlichkeit des Periosts (Knochenhaut), zu Periostschwellungen und manchmal zu Knochenwucherungen oder Knochenatrophien. Demzufolge kann es bei fortgeschrittenen Fällen zu Haltungs- und Bewegungsanomalien kommen.

Um eine Entscheidung treffen zu können, ob blutig oder unblutig geschröpft werden soll, muss der Heilpraktiker den Patient gründlich untersuchen. Vor allem der Rücken liefert wichtige Hinweise sowohl für die Diagnose als auch für die Therapie. Dazu wird er auf schröpfwürdige Stellen untersucht, wobei es vor allem darum geht, kalte und heiße Reflexzonen aufzuspüren.

Eine kalte (blasse) Reflexzone kann sich als eine blutarme Verhärtung im Bindegewebe zeigen. Sie können dann als harte oder sulzige, kleine, schmerzhafte Stellen getastet werden, die auf tiefen und kräftigen Druck schmerzen. Dieser Druckschmerz wird von Patienten als „wohltuend“ empfunden. Kalte Reflexzonen können aber auch als große, flächige Gebiete gefunden werden. Es handelt sich dann um Einsenkungen.
Kalte Reflexzonen dürfen nur unblutig behandelt werden. Würde hier blutig geschröpft, so würden nur wenige Tropfen Blut austreten und die Beschwerden des Patienten würden sich verschlimmern.
Blasse Reflexzonen treten nicht nur bei asthenischen und anämischen Personen auf, sondern sie können bei allen Konstitutionstypen vorkommen. Sie sind Zeichen eines lokalen Energiemangels, in deren Folge es zu einem Sauerstoff- und Versorgungsdefizit kommt.

Bei der heißen (roten) Reflexzone handelt es sich um ein Gebiet, in dem es zu einem Blutstau gekommen ist. Dieser Stau kann im Bindegewebe oder in der Muskulatur sitzen. Bei der heißen Reflexzone tastet man eine pralle, druckschmerzhafte Härte. Die Druckschmerzhaftigkeit tritt im allgemeinen schon bei oberflächlichem Druck auf, wird jedoch ebenfalls im allgemeinen als angenehm empfunden. 
Heiße Reflexzonen werden blutig geschröpft, um die vorhandene Energiefülle abzuleiten. Würde hier irrtümlich trocken geschröpft, so würde sich das Befinden des Pati¬enten verschlechtern, da sich dann noch mehr Energie in diesem Bereich stauen würde.

Obwohl heiße Reflexzonen bevorzugt beim Plethoriker (Plethora, d.h. Fülle) vorkommen, können sie sich auch beim Astheniker (Asthenie, d.h. Kraftlosigkeit, Schwäche) als Ausdruck einer lokalen Fülle bilden. 
 

Leider sind in der Praxis die Reflexzonentypen oft nicht so eindeutig voneinander zu unterscheiden. Es gibt durchaus auch Zonen im Übergangsstadium. In unklaren Fällen wird man auf jeden Fall die trockene Schröpfung bevorzugen, wenn sich der Heilpraktiker in diesem Fall nicht überhaupt für eine andere Therapie entscheidet.
Es gilt zu bedenken, dass eine Energiefülle eine Energieleere nach sich ziehen kann. Kommt es beispielsweise im Schulter-Nacken-Bereich zu einer Energiefülle, so kann dies zu Kopfschmerzen aufgrund einer nachfolgenden Energieleere im Kopf führen.

  • Trockene Schröpfung. An einer Stelle, die sich zum trockenen Schröpfen eignet, ist die Haut schlecht durchblutet, blass und kalt. Eine Massage dieses Ortes bringt keine wesentliche Hautrötung. Wärme wird an dieser Stelle immer als wohltuend empfunden und bringt eine Entspannung.
    Eine trockene Schröpfung wird vor allem bei chronischen, schwächenden Krankheiten und bei spastischen Zuständen von Organen angewendet. Besonders bewährt hat sie sich bei Durchblutungsstörungen der Extremitäten, der Haut und der Unterhaut. Des Weiteren zeigt sie gute Erfolge bei Verstopfung, beim Reizkolon und bei Menstruationsbeschwerden.
  • Blutige Schröpfung. Stellen, die blutig geschröpft werden müssen, finden wir bevorzugt beim Plethoriker. Sie treten aber, wie gesagt, auch beim Astheniker als lokale Fülleerscheinung auf.
    Heiße Reflexzonen findet man aber auch oft am Beginn einer Erkrankung. Schreitet die Erkrankung weiter fort, so kann sich die heiße Zone in eine blasse umwandeln.


Nicht in jedem Fall entscheidet sich der Heilpraktiker entweder für eine trockene oder eine blutige Schröpfung, sondern er kann die beiden Verfahren auch miteinander kombinieren. Dabei nimmt er häufig zunächst eine trockene Schröpfung vor und danach eine blutige. 
Verändert sich eine kalte, blasse Zone im Verlauf einer heilpraktischen Behandlung in eine rote, heiße, so ist es dem Heilpraktiker gelungen, einen chronischen Prozess zu aktivieren und so allmählich eine Heilung herbeizuführen.