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Eigenbluttherapie

 

Bei einer Eigenblutbehandlung entnimmt der Therapeut Blut aus der Vene des Patienten und injiziert es ihm wieder in die Haut (intrakutan), unter die Haut (subkutan) oder in den Muskel (intramuskulär).

Vor der Injektion kann das Blut durch verschiedene Methoden aufbereitet werden; es können aber auch bestimmte Medikamente beigegeben werden.

Diese Therapie ist eine für jeden Heilpraktiker und Heilpraktiker-Anwärter eine schnell zu erlernende und vielfältig einsatzbare Therapie, die wir an der Heilpraktikerschule Isolde Richter als Vor-Ort-Seminar in Kenzingen anbieten.

Die Eigenblutbehandlung ist eine Reizkörper- und Umstimmungstherapie. Darunter versteht man im engeren Sinne alle Einflüsse, die durch die parenterale Zufuhr (unter Umgehung des Verdauungstraktes) von Stoffen, vorwiegend von Eiweißen, auf den menschlichen Körper ausgeübt werden. Im weiteren Sinne versteht man unter diesem Begriff allerdings jeden pharmakologischen, diätetischen, klimatischen oder seelischen therapeutischen Eingriff.

Gelangen Blutbestandteile ins Gewebe, so wird dort das Blut selbst zum pathogenen Reiz, da in ihm Schadstoffe enthalten sind, die nun im Gewebe vom Abwehrsystem bekämpft werden müssen. Da im Blut alle diejenigen Toxine enthalten sind, die mit der jeweiligen Krankheit des Patienten in unmittelbarem Zusammenhang stehen, leuchtet es ein, dass ein lokaler Reiz dieser Stoffe im (Muskel-) Gewebe genau diejenigen Mechanismen aktiviert, die für die Krankheitsabwehr von Bedeutung sind.


Unter einer Eigenbluttherapie kann es zunächst einmal zu einer Erstverschlimmerung der Beschwerden des Patienten kommen. Dies ist kein Zeichen für eine falsch durchgeführte Therapie, vielmehr kann durch die Aktivierung der körpereigenen Abwehr ein chronischer Krankheitsprozess in einen akuten überführt werden, aus dem heraus dann eine Heilung möglich ist.

Indikationen

 

  • Allergien
  • Entzündungen
  • Abwehrschwäche o Rekonvaleszenz
  • Chronische Erkrankungen, beispielsweise der Atemwege, des Harntraktes oder der Gallenwege
  • Entzündliche und degenerative Gelenkerkrankungen
  • Hauterkrankungen, beispielsweise Ekzeme und Furunkel
  • Akute Infektionskrankheiten (evtl. unterstützend zur Antibiotikabehandlung)
     
Kontraindikationen
  • Erhöhte Blutungsneigungen (z.B. Bluterkrankheiten oder Einnahme von Antikoagulanzien)
  • Schwere Herz- und Kreislaufkrankheiten
  • Schwere Leber- und Nierenerkrankungen
  • Zehrende (konsumierende) Erkrankungen
  • Einnahme von Immunsuppressiva
  • Schilddrüsenüberfunktion
     

 

Behandlungsablauf

Injektionsstellen: Bei der intrakutanen und subkutanen Injektion wird die Streckseite des Oberarmes oder des Oberschenkels gewählt. Bei der intramuskulären Injektion wird als Injektionsort der Gesäßmuskel gewählt, und zwar streng nach der Methode nach von Hochstetter. Bei der Therapie mit defibriniertem Eigenblut (s. unten) dagegen wird das Blut langsam intravenös gespritzt.


Behandlung des entnommenen Bluts: Das entnommene Blut kann hämolysiert, defibriniert, potenziert oder aktiviert (Kurzwellen- oder UV-bestrahlt) werden. Es kann als Eigenserum gespritzt werden, aber selbstverständlich auch unverändert wieder reinjiziert werden.

Eigenblutbehandlung mit hämolysiertem Eigenblut

Dem Patienten wird 1,5 ml Blut aus der Vene entnommen, das mit 0,5 ml Aqua pro Injektion vermischt wird. Diese Mischung wird dem Patienten intramuskulär gespritzt. Die Behandlung erfolgt zweimal pro Woche.

 


Eigenblutbehandlung mit defibriniertem Eigenblut

Dem Patienten wird 10 ml Blut aus der Vene entnommen. Dieses Blut wird nun in ein steriles Glasgefäß gegeben und durch Schlagen mit einem Stäbchen oder durch Schütteln mit Glasperlen behandelt, bis sich das Fibrin als faserige Masse absetzt.

 

Herstellung von potenziertem Eigenblut

Dieses Verfahren wurde von der Kinderärztin Hedwig Imhäuser entwickelt. Potenziertes Eigenblut wird bevorzugt in der Kinderheilkunde eingesetzt, da man nur geringe Mengen Blut benötigt und das entnommene Blut nicht mehr gespritzt werden muss, sondern oral eingenommen werden kann.

Zur Herstellung von potenziertem Eigenblut verwendet man 10 ml Fläschchen, in die man je 99 Tropfen einer 30%igen Alkohollösung abzählt. Dann gibt man in das erste Fläschchen einen Tropfen Patientenblut, das man aus der Fingerbeere oder dem Ohrläppchen entnommen hat. Danach führt man eine Verschüttelung durch, indem man das Fläschchen zehnmal auf dem Handballen aufschlägt. Damit hat man eine C1 hergestellt. Will man eine C2 haben, so gibt man von der C1 einen Tropfen in ein zweites Fläschchen und potenziert es in der gleichen Weise. Nach diesem Verfahren geht man weiter, bis man die gewünschte Potenz erreicht hat.


Behandlungsbeispiel bei Abwehrschwäche:


1. Woche: zweimal täglich 5 Tropfen der C7
2. Woche: zweimal täglich 5 Tropfen der C9
3. Woche: zweimal täglich 5 Tropfen der C12


Anschließend werden über fünf Wochen zweimal wöchentlich fünf Tropfen der C12 verabreicht.
 


Eigenblutbehandlung mit Eigenserum

Dem Patienten werden 40-60 ml Blut entnommen, das in einem sterilen Glasgefäß für einige Stunden dunkel und kühl aufbewahrt wird. Danach wird das abgeschiedene Serum in ein steriles Reagenzglas abgegossen. In der Folge kann das so gewonnene Eigenblut in niedriger Dosierung intramuskulär, intravenös oder subkutan dem Patienten wieder verabreicht werden.

 


Eigenblutbehandlung mit aktiviertem Eigenblut

Das dem Patienten aus der Vene entnommene Blut kann mit Kurzwellen oder UV-Licht bestrahlt bzw. mit Sauerstoff oder Ozon angereichert werden. Nach dieser Aufbereitung des Blutes wird es dem Patienten in den Muskel oder in die Vene reinjiziert.



Behandlungsintervalle bei der Eigenblutbehandlung

Bei der Eigenblutbehandlung gilt, dass ein akuter Zustand öfter, beispielsweise jeden Tag oder alle zwei Tage, behandelt wird. Ein chronischer Zustand dagegen seltener, beispielsweise ein- oder zweimal pro Woche.
Es gilt, je akuter der Krankheitsverlauf, desto öfter, je chronischer, desto seltener wird behandelt.

Dosierung

Am Anfang entnimmt man nur eine kleine Menge Blut, beispielsweise 0,1 ml und steigert dann langsam bei den darauffolgenden Behandlungen auf eine Dosis von höchstens 5 ml.



Behandlungsbeispiele

Akuter grippaler Infekt: Bei einem akuten grippalen Infekt genügt häufig schon eine einzige Injektion, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, wenn die Behandlung rechtzeitig erfolgt. Um eine verbesserte Wirkung zu erzielen, kann man ein Infektabwehr steigerndes Mittel, z.B. ein Echinacea-Präparat (vorher Verträglichkeit prüfen!), mit 0,5 ml venösem Blut mischen, bevor man es wieder intramuskulär injiziert. Nötigenfalls kann diese Injektion am nächsten Tag wiederholt werden.

 

Chronische Infektion: Am ersten Behandlungstag setzt man eine intrakutane Testquaddel mit 0,1 ml Eigenblut. Die weiteren Behandlungen erfolgen intramuskulär im wöchentlichen Abstand, wobei man die Dosierung kontinuierlich pro Behandlung um 0,1 ml steigert, bis man bei 1 ml Eigenblut angelangt ist. Nun geht man auf ein 14-tägiges Behandlungsintervall über und steigert die Dosierung jeweils um 0,5 ml, bis man bei 5 ml angelangt ist. Um eine verbesserte Wirkung zu haben, kann man dem Eigenblut ab der zweiten Behandlung ein abwehrsteigerndes Mittel zusetzen.
 

Allergien: Bei Allergikern dosiert man noch vorsichtiger. Man beginnt auch hier mit einer intrakutanen Testquaddel von 0,1 ml Eigenblut. Die folgenden Injektionen werden jeden zweiten oder dritten Tag ebenfalls intrakutan gegeben, wobei man die Dosierung jedes Mal um 0,1 ml steigert, bis man bei 0,5 ml angelangt ist.

Die weiteren Injektionen erfolgen subkutan. Sie werden alle drei Tage um 0,1 ml erhöht, bis man bei 1 ml Eigenblut angelangt ist. Die nächsten Injektionen werden intramuskulär gegeben. Sie erfolgen alle fünf Tage und werden jeweils um 1 ml gesteigert, bis zur Maximaldosis von 5 ml. Will man der Eigenblutgabe ein antiallergisches Mittel beimengen, muss dieses unbedingt vorher auf seine Verträglichkeit geprüft werden.

Sie möchten die Eigenblut-Therapie im Rahmen der Behandlung Ihrer Patienten einsetzen?

Das Vor-Ort-Seminar 'Eigenbluttherapie' an der Heilpraktiker- und Therapeutenschule Isolde Richter bietet Heilpraktikern, Therapeuten und Heilpraktiker-Anwärtern die Möglichkeit, die verschiedenen Techniken der Eigenblut-Therapie kennen und anwenden zu lernen. Nach dem Besuch des Kurses mit Dozent Marco Haas, werden Sie in der Lage sein, die geeignete Variante für Ihre Klienten auszuwählen und einzusetzen.

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