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Die Schüßler-Therapie

 

Die Schüßler-Therapie ist eine Therapie, die auf der biochemischen Heilweise beruht kann individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.

Grundlage der Therapie mit Mineralstoffen nach Schüßler ist es, anorganische Salze als Medikamente zuzuführen, um einen Mangel auszugleichen. Dabei ist es nicht Ziel, die fehlende Menge direkt durch die Gabe an Mineralstoffen zu ersetzen, vielmehr soll durch die Einnahme von homöopathischen Dosierungen ein Reiz ausgelöst werden, der die Zelle zu einer vermehrten Aufnahme der Salze aus der Nahrung anregt.

Unter dem Begriff Mineralstoff (Mineralsalz) versteht man im weiteren Sinne anorganische Stoffe, die auf natürlichem Weg in der Erdkruste entstanden sind. Viele Mineral¬stoffe sind unentbehrlich für den lebenden Organismus. Sie sind im Blut und in den Zellen aller Organe in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten. Ihr ausgewogenes Verhältnis zueinander ist Voraussetzung für den reibungslosen Verlauf aller Funktionen.

Eine Störung im Gleichgewicht, besonders ein Mangel an diesen Substanzen, führt in die Krankheit. Mineralstoffe werden dem Körper als Salze zugeführt und in Form von Kationen und Anionen (kleinste elektrisch geladene Teilchen) resorbiert.

Wilhelm Heinrich Schüßler wurde 1821 in Zwischenahn geboren. Obwohl er keine höhere Schule besuchen konnte, begann er im Alter von über 30 Jahren ein Medizinstudium in Paris, Berlin und Gießen. Bereits nach zweieinhalb Jahren erwarb er die medizinische Doktorwürde und musste als „Doktor der Medizin" das Abitur nachholen, bevor er das Staatsexamen ablegen konnte.

 

Der Einfluss der Homöopathie

Schon früh erwachte sein Interesse an der Homöopathie, der er sich in den ersten Jahren seiner erfolgreichen Praxistätigkeit ganz widmete. Mit verschiedenen Veröffentlichungen unterstützte er die Verbreitung der Homöopathie, stand ihr jedoch gleichzeitig kritisch gegenüber. Er suchte nach einer Therapie, die im Gegensatz zu dem großen Arzneischatz der Homöopathie mit nur wenigen Mitteln auskam.


In jahrelangen praktischen Versuchen stellte er fest, dass die Asche von organischem Material eine sich wiederholende Zusammensetzung an Mineralstoffen aufweist, die folglich auch in der lebenden Zelle vorhanden sein müsse. Durch die Fortschritte der Medizin mit ihren Erkenntnissen physiologischer und biochemischer Zusammenhänge im Zellstoffwechsel fanden seine Ergebnisse eine wissen-schaftliche Erklärung.

 

Der Einfluss Virchows

Auf seinem Weg zu einem neuen Heilverfahren wurde Schüßler stark von der Lehre Rudolf Virchows beeinflusst (1821-1902, deutscher Arzt und Pathologe, Begründer der Zellularpathologie). Virchow vertrat die Ansicht, dass alles Leben und ebenso alle krankhaften Vorgänge an die Zellen des Körpers in ihren Geweben und Organen gebunden sind. Dementsprechend sind die Ursachen für Entstehung und Wesen einer Krankheit in den Veränderungen der Zelle zu suchen. Schüßler teilte diese Auffassung und entwickelte eine Theorie, die besagt, dass die ordnungsgemäße Zelltätigkeit von einem bestimmten Gehalt an Mineralstoffen abhängt.

 

Die neue Therapie 

Im Jahr 1874 veröffentlichte Schüßler seine Broschüre „Eine abgekürzte Therapie, gegründet auf Histologie und Cellular-Pathologie", in der er zum Ausdruck bringt, dass er mit nur zwölf anorganischen Stoffen arbeitet. Diese Mineralstoffe nannte er Funktionsmittel und bezeichnete sein Verfahren in den folgenden Jahren als Biochemie (bios = Leben, Chemie = Wissenschaft von der Zusammensetzung und Umwandlung der Stoffe und ihrer Verbindungen).


Heute wird die Bezeichnung „Biochemie" in einem weit größerem Umfang verstanden. Es handelt sich um eine Grundlagenwissenschaft, die alle Lebensvorgänge im Organismus, wie Stoffwechsel, Atmung, innere und äußere Sekretion und Ausscheidung mit den Methoden der Chemie untersucht.

Die „Biochemie nach Schüßler" beruht nicht auf dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie, sondern gründet sich auf die physiologisch-chemischen Vorgänge im Körper und die Funktion der Mineralstoffe im Stoffwechselgeschehen.


Obwohl sich Schüßler in seinen Theorien immer mehr vom Leitgedanken der Homöopathie entfernte, behielt er ihre Herstellungstechnik bei und setzte die anorganischen Salze zur Behandlung von Krankheiten in Form homöopathischer Potenzen ein.

So werden die biochemischen Funktionsmittel mit Milchzucker verrieben und nach den Regeln der Homöopathie potenziert. Durch die Potenzierung erlangen die Salze eine höhere Energiestufe und gleichzeitig höchste Reaktionsfähigkeit. In Form ihrer Ionen (elektrisch geladene Teilchen, aus denen die Moleküle bestehen) durchdringen sie die Zellwand und beeinflussen den Stoffaustausch zwischen dem Extrazellularraum und dem Zellinneren in günstiger Weise.

Bei der von Schüßler neu entwickelten Therapie kommt es auf den Reiz an, den ein Arzneistoff auf den Körper ausübt, um seine Selbstheilungskräfte anzuregen. Dazu genügen kleinste Mengen des entsprechenden Mineralsalzes.


In der Therapie mit biochemischen Mitteln richtet sich die qualitative und quantitative Auswahl nach den normalen Konzentrationen der Salze in den entsprechenden Zielorganen und nach den Mengen, in denen sie bei den jeweiligen Krankheitsbildern vorliegen oder ausgeschieden werden.

Die zwölf Funktionsmittel nach Schüßler und ihre Indikationen

Im Mittelpunkt der Therapie nach Dr. Schüßler stehen zwölf Mineralstoffe, die sich im Blut und in den Geweben befinden. Da jedes dieser Salze bestimmte Körperfunktionen beeinflusst, nannte er sie Funktionsmittel.

Das zwölfte Mittel, Calcium sulfuricum, hat Schüßler später eliminiert und seine Therapie nur noch mit elf Mitteln betrieben. Von seinen Nachfolgern wurde dieses Mittel jedoch wieder aufgenommen, weshalb es hier auch vorgestellt wird.


1. Calcium fluoratum (Kalziumfluorid, Flussspat)

Calcium fluoratum befindet sich im Zahnschmelz, in den Zellen der Oberhaut, in den Knochen und den elastischen Fasern des Bindegewebes. Eine Veränderung im Kalzium-Fluorid-Stoffwechsel führt zu Störungen im Knochenaufbau, zu Rissen in der Haut und zu einer Erschlaffung des elastischen Gewebes.
Calcium fluoratum kräftigt die kleinen Gefäße und Kapillaren und unterstützt gleichzeitig die Resorption von Gefäßverhärtungen. Auf diese Weise wird der Blutkreislauf verbessert. Als langsam wirkendes Mittel muss Calcium fluoratum über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

 

      Indikationen

  • Krankheitserscheinungen, die mit einem Elastizitätsverlust der Blutgefäße zusammenhängen, wie   Krampfadern, Hämorrhoiden und Arterienverkalkung
  • Knochen- und Zahnerkrankungen (Karies, Rachitis, Bandscheiben- und Gelenkbeschwerden)
  • Vermehrte Hornhautbildung und frühzeitige Hautalterung
  • Gewebsverhärtungen

     Modalität

  • Verbesserung der Beschwerden durch Wärme
  • Verbesserung bei fortgesetzter leichter Bewegung
  • Verschlimmerung durch Kälte und feuchtes Wetter

 

2. Calcium phosphoricum (Kalziumphosphat, phosphorsaurer Kalk)

Calcium phosphoricum stellt mengenmäßig den größten Anteil der im Körper vorhandenen Salze dar. Es bildet die harte Knochenmasse und ist in allen Körperzellen zu finden. Als biochemisches Aufbaumittel ist es an der Eiweißsynthese beteiligt und spielt deshalb eine wichtige Rolle bei allen Neubildungsvorgängen.
Dementsprechend führt ein Mangel zu Störungen in der Erneuerungs- und Aufbauarbeit des Körpers. Calcium phosphoricum ist wie Calcium fluoratum ein langsam wirkendes Mittel, es passt besonders für blasse, blutarme Menschen.

     Indikationen

  • Oft kombiniert mit Calcium fluoratum bei Störungen der Zahn- und Knochenbildung (Rachitis) und bei schlecht heilenden Knochenbrüchen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Schwangerschaft
  • Rekonvaleszenz
  • Blutarmut
  • Lungenleiden
  • Schlafstörungen
  • Rasche Ermüdbarkeit

     Modalität

  • Verschlimmerung der Beschwerden in der Ruhe und nachts


3. Ferrum phosphoricum (Eisenphosphat)

Eisen hat im Organismus eine vielfältige Bedeutung. Als Bestandteil des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff) liegt seine Hauptaufgabe im Sauerstofftransport. Es ist in allen Körperzellen vorhanden und spielt eine wichtige Rolle bei enzymatischen Prozessen und der Infektabwehr. Eisen wird vermehrt in der Wachstumsphase und während der Schwangerschaft und Stillzeit benötigt.


     Indikationen

  • Alle plötzlich auftretenden, entzündlichen und fieberhaften Prozesse - Hauptmittel für das erste Entzündungsstadium mit einer trockenen Schwellung ohne Absonderung
  • Blutarmut
  • frische Wunden, Blutungen, Quetschungen und Verstauchungen
  • Sommerdurchfälle mit Fieber (evtl. Behandlungsverbot beachten!)
  • Akute Magenbeschwerden mit Erbrechen und Schmerzen 

     Modalität

  • Verbesserung der Beschwerden durch Ruhe und Kälte
  • Verschlimmerung nachts, durch Wärme und Bewegung


4.    Kalium chloratum (Kaliumchlorid)

Kalium ist im Zellinneren vorhanden, und zwar besonders reichlich in den roten Blutkörperchen. Zusammen mit Natrium hat es eine spezifische Wirkung auf die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Kalium wirkt beim Eiweißaufbau mit und hat eine stoffwechselanregende Eigenschaft. Ein Mangel an Kalium ruft krankhafte Veränderungen im Gewebe, v.a. am Herz- und Skelettmuskel, hervor.

     Indikationen

  • Hauptmittel für alle Entzündungen mit zähflüssigen und fibrinösen Absonderungen (zweites Entzündungsstadium): weißgrauer Belag auf Zunge und Mandeln, weißgraue Schuppen auf der Haut
  • Augen-, Ohr- und Halserkrankungen
  • Masern, Scharlach (Behandlungsverbot für Heilpraktiker!)
  • Bronchitis, Lungen- und Rippenfellentzündung
  • Sehnenscheidenentzündung
  • Warzen, Frostbeulen und Verbrennungen
  • Linderung der Beschwerden nach einer Impfung

     Modalität

  • Verbesserung der Beschwerden durch Wärme
  • Verschlimmerung durch Bewegung sowie fette und scharf gewürzte Nahrung
  • Verschlimmerung durch kaltes, feuchtes Wetter


5. Kalium phosphoricum (Kaliumphosphat, Kaliumhydrogenphosphat)

Kalium phosphoricum ist v.a. in den roten Blutkörperchen und in Gewebs-, Gehirn-und Muskelzellen vorhanden. Es ist das bedeutendste Salz aller Zellen und damit das wertvollste biochemische Mittel bei akuten und chronischen Erkrankungen. Ein Mangel an Kalium phosphoricum in Gehirn- und Nervenzellen kann zu psychischen Beeinträchtigungen wie Ängstlichkeit, Traurigkeit, depressive Stimmungen und Gedächtnisschwäche führen. In den Muskelzellen ruft ein verminderter Gehalt Erschöpfungszustände und Muskelschwäche bis hin zu Lähmungserscheinungen hervor.

     Indikationen

  • Geistige und körperliche Erschöpfungszustände, Nervosität, Depressionen, Schlaflosigkeit
  • Muskelschwäche
  • Kreuzschmerzen
  • Lähmungserscheinungen und Kraftlosigkeit durch Infektionskrankheiten
  • Nervöse Herzbeschwerden, Angstgefühl mit Herzklopfen, unterstützende Behandlung organischer Herzkrankheiten

     Modalität

  • Verbesserung der Beschwerden durch mäßige Bewegung
  • Verschlimmerung durch Anstrengung



6. Kalium sulfuricum (Kaliumsulfat, schwefelsaures Kalium)

Kalium sulfuricum kommt in den Epithelzellen von Haut und Schleimhaut vor, meist zusammen mit Eisen. Es unterstützt die Sauerstoffübertragung und aktiviert den Zellstoffwechsel.

     Indikationen

  • Hauptmittel für das dritte Entzündungsstadium mit gelblich-schleimigen Absonderungen durch Förderung der Ausscheidungs- und Entgiftungsvorgänge
  • Chronisch-eitrige Schleimhautkatarrhe von Nase, Ohr, Hals, Bronchien und Bindehaut
  • Magen-Darm-, Leber- und Nierenentzündungen
  • Rheumatische Gelenkbeschwerden

     Modalität

  • Verbesserung der Beschwerden in frischer, kühler Luft
  • Verschlimmerung am Abend, in geschlossenen, warmen Räumen
  • Ttraurige und ängstliche Stimmung


7. Magnesium phosphoricum (Magnesiumphosphat, Magnesiumhydrogenphosphat)

Der Magnesiumgehalt im Körper eines Erwachsenen liegt an vierter Stelle nach dem Gehalt an Kalzium, Kalium und Natrium. Es handelt sich daher um einen sehr wichtigen Mineralstoff, der sich etwa zu zwei Dritteln in der Knochenmasse befindet. Der übrige Anteil kommt in Muskeln und Nerven, in den roten Blutkörperchen und in vielen Organen vor. Magnesium aktiviert eine Vielzahl von Enzymen und setzt die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen, sowie der Herzmuskelzellen herab.

Ein Mangel an Magnesium verursacht Krämpfe, Herzrhythmusstörungen, Unruhe und erhöhte Stressempfindlichkeit. Bei Krämpfen und Koliken wendet man Magnesium phosphoricum als „Heiße Sieben" an, um eine rasche Wirkung zu erzielen.

      Indikationen

  • Das biochemische Schmerz- und Krampfmittel, besonders bei „schießenden" Schmerzen und Koliken
  • Veranlagung zu Migräne
  • Herzbeklemmung
  • Wässrige Durchfälle, die von Koliken be¬gleitet werden
  • Krampfhusten
  • Zahnungsbeschwerden kleiner Kinder

     Modalität

  • Verbesserung der Beschwerden durch Wärme und Gegendruck
  • Verschlimmerung durch Kälte und leichte Berührung


8. Natrium chloratum = Natrium muriaticum (Natriumchlorid, Kochsalz)

Im Gegensatz zu Kalium, das sich hauptsächlich im Zellinneren befindet, kommt Natrium v.a. in der extrazellulären Flüssigkeit vor. Natrium regelt den Wasserhaushalt und ist für die Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks mit verantwortlich. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Erregungsleitung in Nerven und Muskelzellen und unterstützt die Neubildung roter Blutkörperchen und Zellen.

     Indikationen

  • Blutarmut
  • Appetitlosigkeit
  • Schleimhauterkrankungen mit wässriger Absonderung, vermehrter Tränen- und Speichelfluss
  • Taubheitsgefühl in den Extremitäten
  • Rheumatische Beschwerden
  • Kopfschmerzen und Migräne

     Modalität

  • Durst und Salzverlangen des Patienten
  • Verbesserung der Beschwerden durch trockene, warme, aber auch frische, kühle Luft
  • Verschlimmerung am Morgen und in den Vormittagsstunden, durch geistige Überanstrengung, feucht-kühles Wetter


9. Natrium phosphoricum (Natriumphosphat, Natriumhydrogenphosphat)

Natrium phosphoricum befindet sich in den roten Blutkörperchen, in Muskel-, Nerven- und Gehirnzellen und im Bindegewebe. Mit Hilfe von Natrium phosphoricum bleibt die Harnsäure in Lösung und kann so über die Nieren ausgeschieden werden. Als Puffersubstanz ist es an der Aufrechterhaltung des erforderlichen Blut-pH-Wertes wesentlich beteiligt und es beeinflusst den Milchsäurestoffwechsel.

     Indikationen

  • Neutralisationsmittel bei Säureüberschuss im Körper: Sodbrennen, Überproduktion von Magensäure, saures Erbrechen
  • Akute und chronische Stoffwechselstörungen (Gicht, Gallen- und Nierensteine)
  • Rheuma
  • Ischiasschmerzen
  • Augen-, Mandel- und Rachenentzündungen
  • Blasenentzündung und Nierensteine

     Modalität

  • Verschlimmerung der Beschwerden durch Bewegung, fette Speisen und feucht-kaltes Wetter


10.    Natrium sulfuricum (Natriumsulfat, Glaubersalz)

Natrium sulfuricum regt die Ausscheidungsfunktionen des Körpers an. Es erhöht die Tätigkeit von Blase und Niere und beeinflusst Leber, Gallenblase, Darm und Bauchspeicheldrüse. Stoffwechsel- und Abbauprodukte werden entfernt und der Organismus entgiftet.

     Indikationen

  • Erkrankungen der Ausscheidungsorgane mit wässrigen und gelblich-grünen Absonderungen
  • Ödeme
  • Rheumatische Beschwerden
  • Grippale Infekte
  • Hautausschläge und Unterschenkelgeschwüre

    Modalität

  • Frostige Menschen, die auch im Bett nicht richtig warm werden
  • Periodische Beschwerden, Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit der Patienten
  • Verschlimmerung gegen Morgen, in feuchter Umgebung und bei feuchtem Wetter


11. Silicea (Kieselsäure bzw. Kieselsäureanhydrid, Quarz, Sand)

Silizium, als Bestandteil von Silicea, ist in seinen Verbindungen mit Sauerstoff (Kieselsäure, Quarz und Sand) das zweithäufigste Element der Erdkruste. Im Körper befindet es sich in der Lunge, den Lymphknoten und den Nebennieren. Sein Vorkommen in Bindegewebe und Knorpeln ist für die Widerstandsfähigkeit und Festigkeit des Gewebes verantwortlich. Silizium regt die Kollagenbildung an und ist daher wichtig zum Aufbau von Haut und Schleimhaut, Haaren, Nägel und Knochen. Durch eine Aktivierung der Phagozyten (Fresszellen) wird die Infektabwehr unterstützt. Ferner vermindert Silizium den Harnsäurespiegel im Blut und fördert den Abbau von Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Ein Mangel an Silizium führt zu Hauterkrankungen und chronischen Ekzemen; er bewirkt ein frühzeitiges Altern.


      Indikationen

  • Neben Calcium sulfuricum ein Hauptmittel bei akuten und chronischen Entzündungen mit Eiterbildung: Furunkel, Fistel, Gerstenkörner, Drüsenentzündungen, krankhaften Veränderungen von Nägeln und Haaren
  • Beschwerden, die mit einer Erschlaffung des Bindegewebes und der Gefäßwände zusammenhängen (Krampfadern, Hämorrhoiden)

     Modalität

  • Oft unterernährtes und „altes" Aussehen der Kinder
  • Verbesserung der Beschwerden durch Wärme und warmes Einhüllen des Patienten
  • Verschlimmerung durch Kälte, gegen Abend, nachts und bei Bewegung


12. Calcium sulfuricum (Kalziumsulfat, Gips)


Calcium sulfuricum kommt in Leber und Galle vor. Es ist ein stoffwechselanregendes Mittel und erhöht die Blutgerinnung.

     Indikationen

  • Wie Silicea ein wichtiges Mittel bei allen Entzündungen mit Eiterbildung: Abszesse, Furunkel, eitrige Mandelentzündung, Bronchitis und Schnupfen mit eitrigem, übelriechendem Ausfluss und Beteiligung der Kieferhöhlen
  • Blasen- und Nierenentzündung, rheumatische Beschwerden
  • Schlaflosigkeit
  • Gedächtnisschwäche

     Modalität

  • Verschlimmerung durch Fett, Gebäck und nahrhaftes Essen
    Bei diesem Mittel hat Schüßler selbst keine Modalität angegeben.

 


Ergänzungsmittel

Nach Schüßlers Tod wurden weitere Mineralstoffe bekannt, die im Blut und im Gewebe vorkommen und medizinische Bedeutung für die Gesundheit haben. Diese werden als Ergänzungsmittel bezeichnet. Anfangs gab es fünf (nach Schöpfwinkel), später wurden sie ebenfalls auf zwölf erweitert. Diese Mineralstoffe enthalten in ihren Verbindungen Aluminium, Arsen, Brom, Jod, Kupfer, Lithium, Mangan und Zink.
Anhänger der klassischen Therapie mit Mineralstoffen nach Schüßler verzichten auf Ergänzungsmittel, während andere Behandler sie als wichtige Zusatztherapie betrachten. Ergänzungsmittel gibt es in der Potenz D6 undD12 (s.u.).

Behandlungsablauf

Die Behandlung mit biochemischen Mitteln zielt auf eine Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts. Dieses biologische Geschehen erfordert Geduld und in den meisten Fällen eine längerdauernde Einnahme der Mittel. Dennoch ist nicht in jedem Fall mit einem langwierigen Prozess zu rechnen. Abhängig von der körperlichen und psychischen Verfassung des Patienten und dem Ausprägungs¬grad der gesundheitlichen Störung kann sich ein Heilungserfolg durchaus auch schnell einstellen.

 

Dosierung

In akuten Fällen gibt man anfangs jede halbe Stunde 1-2 Tabletten, bei chronischen Zuständen 3-6mal täglich 1-2 Tabletten. Bei subakuten Krankheitsbildern kann man ein-bis zweistündlich 1-2 Tabletten verordnen.


Potenz

Biochemische Tabletten gibt es in der D3, D6 und D12. Schüßler hat fast alle seine Funktionsmittel in der D6 verordnet. Eine Ausnahme bildeten wegen ihrer schlechten Löslichkeit Calcium fluoratum, Ferrum phosphoricum und Silicea, die er in der D12 gebrauchte. Heute werden auch diese Mittel oft in der D6 angewendet.


Einnahme

Um eine bessere Aufnahme des Arzneimittels zu erreichen, lässt man die Tabletten 1/2 Stunde vor oder mindestens 1 Stunde nach dem Essen langsam im Mund zergehen. Hierbei wird der Wirkstoff bereits von der Mundschleimhaut aufgenommen und gelangt so unmittelbar in die Blutbahn. Für Säuglinge und Kleinkinder zerdrückt man die Tabletten zu Pulver und gibt dieses direkt auf die Zunge.

 

Eine Ausnahme von dieser Einnahmeempfehlung bildet Magnesium phosphoricum zur Anwendung bei Koliken, starken Schmerz- und Krampfzuständen. Hierzu werden 10 Tabletten in heißem Wasser gelöst (nicht mit einem Metallöffel umrühren!) und möglichst heiß in kleinen Schlucken alle 2-5 Minuten getrunken. 
Für diese Darreichungsform hat sich wegen der Stellung von Magnesium phosphoricum in der Mittelreihe als Nr. 7 die Bezeichnung „Heiße Sieben" eingebürgert.

 

Bei einer Verordnung von zwei Mitteln sollten diese im täglichen, in begründeten Fällen auch im stündlichen Wechsel, eingenommen werden. Mehr als zwei Mittel sind selten angebracht. Es empfiehlt sich jedoch grundsätzlich, die gleichzeitige Einnahme unterschiedlicher Mittel zu vermeiden. Während einer Behandlung mit biochemischen Mitteln sollte auf Alkohol, Nikotin und scharfe Gewürze verzichtet werden.

Zur Schüßler-Therapie bieten wir an der Heilpraktiker- und Therapeutenschule Isolde Richter einen Online-Kurs mit Dozentin Rosina Sonnenschmidt an, der sich vor allem an Heilpraktiker, Heilpraktiker-Anwärter und Therapeuten richtet. Dieses Webinar kann ergänzend zur Heilpraktikerausbildung als Therapie-Ausbildung oder als berufliche Fortbildung verstanden werden und ermöglicht es Heilpraktikern und Therapeuten, ihr Therapie-Angebot um diese alternative Heilmethode zu erweitern.

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