Anthroposophie

 

Der anthroposophische Ansatz innerhalb der Medizin hat viele Anhänger. Das ursprünglich vom deutschsprachigen Raum ausgegangene Therapieverfahren kommt mittlerweile in zahlreichen Ländern zum Einsatz und wird ständig weiterentwickelt.

In Deutschland wurde die anthroposophische Medizin so wie auch die Homöopathie und die Phytotherapie im Arnzeimittelgesetz als „besondere Therapierichtung“ anerkannt und ins Sozialgesetzbuch V (SGB V) aufgenommen.

An der Heilpraktikerschule Isolde Richter bieten wir eine intern zertifzierte Ausbildung an, die allen Interessierten einen Einstieg in die Welt der anthroposophischen Heilkunde vermittelt und sich als Fortbildung für Heilpraktiker, Heilpraktikeranwärter, Ärzte und Therapeuten zur Erweiterung ihres Therapiespektrums eignet.

Die Anthroposophie (griech. anthropos Mensch und sophia Weisheit) ist eine gnostische (griech. gnosis - Gotteserkenntnis) Weltanschauung, die von dem Philosophen Rudolf Steiner (1861-1925) begründet wurde. Die anthroposophische Medizin und Heilkunde versteht sich im Einklang mit entsprechenden Äußerungen Steiners nicht als alternative Medizin, sondern als sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin.

Anthroposophische Ärzte absolvieren ein ganz reguläres Medizinstudium und anthroposophische Heilpraktiker eine entsprechende umfassende Heilpraktikerausbildung. Ihre erworbenen grundlegenden medizinischen Kenntnisse ergänzen sie durch anschließende Studien über das anthroposophische Menschen- und Weltbild.

In der Therapie versuchen Arzt und Therapeut die Ursachen einer Erkrankung ganzheitlich und mit Hilfe geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse, die auf die Arbeiten Rudolf Steiners und seiner medizinischen Beraterin, der Ärztin Ita Wegman (1876-1943) zurückgehen, zu erfassen.

Der Lebens- und Krankheitsverlauf, das soziale und familiäre Umfeld sowie die Persönlichkeit des Erkrankten spielen bei dieser Betrachtung eine entscheidende Rolle.

Rudolf Steiner entwickelte seine geisteswissenschaftlichen Gedanken und die theoretisch-methodischen Grundlagen der anthroposophischen Medizin und Heilkunde auf der Grundlage intensiver philosophischer Studien, insbesondere des Gesamtwerkes von Johann Wolfgang von Goethe.

In Vorträgen für Ärzte, Medizinstudenten, Pädagogen und viele weitere interessierte Berufsgruppen sowie u.a. in dem 1925 mit Ita Wegman herausgegebenen Buch „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen“ sind diese Erkenntnisse für den Bereich der Medizin festgehalten.

Anfang der 1920er Jahre entstanden in Filderstadt (bei Stuttgart) und Arlesheim (Schweiz) erste klinisch-therapeutische Institute.


Das zentrale Institut für anthroposophisch-medizinische Studien und Weiterbildung bildet die medizinische Sektion am Goetheanum / Freie Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach in der Schweiz.

Für die Herstellung anthroposophischer Arzneimittel entstanden parallel pharmazeutische Laboratorien, aus denen später die Arzneimittelbetriebe WELEDA und WALA hervorgingen.

Die anthroposophische Medizin unterscheidet beim Menschen vier sogenannte  „Wesensglieder“. Sie können als differenzierte Ebenen unseres Menschseins mit spezifischen Eigenschaften und Aufgaben für den Menschen betrachtet werden.

 

  • Physischer Leib („toter Leib, reine Materie“)
  • Ätherleib („belebter Leib“)
  • Astralleib („Empfindung“)
  • Das „Ich“ („Geist“)


Durch das Zusammenwirken dieser Wesensglieder entstehen im menschlichen Organismus darüberhinaus drei funktionelle Einheiten bzw. Funktionssysteme:

 

  • Das Nerven-Sinnes-System (Träger des Denkens)
  • Das rhythmische System (Träger des Fühlens)
  • Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (Träger des Wollens)


Durch ein Ungleichgewicht dieser Systeme, so die Sichtweise der anthroposophischen Medizin, entstehen Krankheiten beim Menschen. Zur Therapie werden anthroposophische Arzneimittel aus natürlichen Rohstoffen (z. B. Mistelextrakt bei Krebserkrankungen) mit dem Ziel eingesetzt, das verlorene Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die anthroposophische Medizin und Heilkunde sieht den Patienten aber auch in einer außergewöhnlich hohen Eigenverantwortung, an seiner Heilung mitzuwirken. So werden Selbstheilungskräfte angeregt, aber auch Verhaltensweisen geübt, welche die Genesung und die Aufrechterhaltung der Gesundheit fördern sollen.

Künstlerische Tätigkeiten sollen den Heilungsprozess noch weiter fördern. So beschäftigt sich der Patient mit Malerei, Musik, Tanz („Heileurythmie“ = eine verlautbarte Bewegungsform) oder Sprachgestaltung, um Essentielles über sich selbst kennenzulernen und zu seinem inneren Wesen durchzudringen.

Physikalische Maßnahmen, um z. B. die Durchblutung und den Stoffwechsel anzuregen, werden in Form von Bädern, Auflagen und Wickel verordnet, aber auch die „Rhythmische Massage nach Ita Wegman“ findet ihre Anwendung.


Da Steiner die Erkenntnisse der Anthroposophie als sinnvolle Ergänzung zur wissenschaftlichen Medizin erarbeitet hat, kann eine anthroposophisch orientierte Therapie im Rahmen nahezu aller medizinisch-therapeutischen Therapien durchgeführt werden.

Zu den Themen Anthroposophie und Anthroposophische Medizin bieten wir an der Heilpraktiker- und Therapeutenschule Isolde Richter das Webinar 'Anthroposophische Heilkunde' mit Dozent Manfred Nistl  an. Die Online-Ausbildung eignet sich für alle Interessenten an der Welt der Anthroposophie und als Fortbildung für Homöopathen, Miasmatiker, Heilpraktiker und Heilpraktiker-Anwärter.