Schröpfen und Baunscheidtieren

Theorie und Praxis des Ausleitungsverfahrens

Webinar (Online-Ausbildung) mit Theorie und Praxis

Ausleitungsverfahren wie Schröpfen und Baunscheidtieren sind unverzichtbare Therapien in jeder naturheilkundlich ausgerichteten Praxis.

Lernen Sie mit diesem Webinar in der eigenen Praxis eine effektive Schröpfkopf- und Baunscheidtbehandlung durchzuführen.

Kursinhalt

Das Schröpfen ist eine der ältesten Heilmethoden und zählt zu den ausleitenden Heilverfahren. Es stellt eine wichtige Therapieform in der naturheilkundlichen Arbeit dar und kann sowohl als alleinige Therapie als auch sehr gut ergänzend zu anderen Therapieformen eingesetzt werden. Die Anwendung ist sehr vielfältig, leicht zu erlernen und umzusetzen.

Das Baunscheidtieren wurde von Carl Baunscheidt (1809 -1873) entwickelt. Er entwarf ein Gerät, den sogenannten Stichler oder Lebenswecker (Nadelgerät zur Hautreizung) und ein die Wirkung des Stichlers verstärkendes Hautöl. Im Handel werden heute unterschiedliche Ausführungen des Lebensweckers angeboten: einfache Einhand- und Zweihandmodelle, aber auch Lebenswecker-Pistolen und elektrisch betriebene Ausführungen.

Nachdem die zu behandelnde Körperstelle vorschriftsmäßig desinfiziert wurde, lässt man die Nadeln des Lebensweckers ungefähr 1 bis 2 mm tief in die Haut einschnellen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass möglichst kein Blut austritt. Danach wird mit einem Wattestäbchen ein Baunscheidt-Öl eingerieben, das über die Apotheke bezogen werden kann.

Die Themen der vier Webinarabende sind:

Grundlagen der Ausleitungen und Theorie

  • Einblick in die Geschichte des Schröpfens
  • Theorie der Schröpftherapie
  • verschiedene Möglichkeiten der Anwendung (trockenes und blutiges Schröpfen)
  • Abrechnung

Theorie des Baunscheidtieren sowie praktische Aspekte und Vorbereitung des Schröpfens und Baunscheitierens

  • Material und Grundausstattung
  • Wirkungsweise und Risiken
  • Indikationen - Kontraindikationen
  • Schröpfkopfdiagnostik

Praktische Anwendung

Hier ist es hilfreichen, wenn jeder Teilnehmer über mind. 2 Schröpfgläser und ein *Versuchskaninchen*, also einen Freund oder Familienangehörigen verfügt. So kann und soll das Gezeigte unmittelbar im Webinar geübt werden.

Selbstverständlich können die praktischen Übungen auch mit Hilfe der Schulungsaufzeichungen nachgeholt werden.

Das blutige Schröpfen wird im Webinar gezeigt, soll von den Teilnehmern aber nicht ausgeführt werden.

Anwendungsbeispiele

Anwendung des Schröpfens und Baunscheidtierens bei unterschiedlichen Erkrankungen wie z. B. Kopfschmerzen, Migräne, Tinnitus, Erkrankungen des Bewegungsapparates usw.

So läuft Ihr Webinar ab

Das Webinar umfasst 4 Unterrichtseinheiten à 2 Stunden.

Unterricht: Die wöchentlichen Live-Unterrichte sind interaktiv. Sie können direkt Fragen an Ihre Dozentin richten und im Unterricht wird auch gemeinsam geübt (falls Sie das möchten).
Veranstaltungsort: Ihr heimischer PC 

Aufzeichnungen: Alle Online-Schulungen werden komplett aufgezeichnet. Das heißt, Sie versäumen auch nichts, wenn Sie einmal nicht live dabei sein können. Auf Ihrer persönlichen Seite in unserem E-Learning-Portal stehen Ihnen die Aufzeichnungen bis 6 Monate nach dem letzten Termin zur Verfügung.

Ihre Lernunterlagen:

  • Sie erhalten ein Skript im pdf-Format zum Download (im Kurspreis enthalten).
  • Die Dozentin stellt ihre Vortragsfolien und weitere Unterlagen für Sie zum Download im E-Learning zur Verfügung.

Empfohlene Literatur: Das praxisnahe 1x1 des Schröpfens, Esther Wurster-Ilg (in unserem Partner-Shop http://www.heilpraktiker-online-shop.de erhältlich).

Forum: Weitere Möglichkeiten zum Austausch mit der Dozentin und Kursteilnehmern bietet unser Internet-Forum, das Sie selbstverständlich auch nach Kursende nutzen können.

Andrea Schmidt
Heilpraktikerin

Adressaten: Heilpraktikeranwärter, Heilpraktiker, Gesundheits- und Ernährungsberater, Fastenbegleiter, interessierte Laien

Termine und Uhrzeit: Die Schulungen können Sie wahlweise als Live-Webinar besuchen oder ganz individuell die Schulungsmitschnitte nutzen.
4 Termine à 2 Std. 

  • Donnerstag, 10.10.2019, 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
  • Donnerstag, 17.10.2019, 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
  • Donnerstag, 24.10.2019, 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
  • Donnerstag, 31.10.2019, 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr

Preis des Kurses: 160 €

Fachfortbildung: Nach Besuch des Kurses erhalten Sie einen kostenlosen Fachfortbildungsnachweis unserer Schule; Sie können sich diesen in unserem E-Learning-Portal selbst als PDF-Dokument herunterladen und ausdrucken!

Teilnehmer: min. 15, max. 99

Bepunktung: Bonuspunkte: 7, Fachfortbildungspunkte: 32

Hintergrundinformationen

Schröpfen

Ziel des Schröpfens ist es, eine Ausleitung von Schadstoffen über die Haut zu erreichen. Von Heilpraktikern wird Schröpfen als Hautreizmethode eingesetzt. Man unterscheidet trockenes und blutiges Schröpfen.

(Angehende) Therapeuten können diese Methode zur Ausleitung und Entgiftung zum Beispiel im Rahmen ihrer Heilpraktikerausbildung erlernen. Siehe auch Ausleitungsverfahren

Das erste historische Zeugnis über die Schröpfkopfbehandlung reicht Jahrtausende zurück. In unseren Breitengraden geriet diese Methode im 15. Jahrhundert in die Hände von Badern und Feldscheren, die es als das sogenannte „blutige Handwerk“ betrieben. Durch ihr kritikloses Anwenden wurde die Methode in Verruf gebracht.

Im späten 19. und 20. Jahrhundert befand sich die Schröpfkopfbehandlung fast ausschließlich in der Hand von Laientherapeuten. Dies hing mit dem Aufkommen der klinisch-chemischen Forschung zusammen, durch die das Augenmerk von den Selbstheilungskräften des Menschen abgelenkt wurde. Im Vordergrund standen nun die medizinischen Apparate. Erst Bernhard Aschner verweist im Jahre 1928 in seinem Buch „Die Krise der Medizin“ wieder auf diese uralte Heilmethode.

Heute bieten viele Heilpraktiker mit verantwortungsvollem Einsatz diese wirkungsvolle Therapie vor allem im Rahmen einer Ausleitungs- und Entgiftungstherapie wieder an.

Geschröpft wird mit Schröpfgläsern, in denen ein Unterdruck erzeugt wurde. Man kennt drei verschiedene Arten des Schröpfens: das trockene und das blutige Schröpfen und die Schröpfkopfmassage, die nun im Folgenden dargestellt werden sollen.

Die Trockenschröpfung

Bevor man eine solche Schröpfung durchführt, kann der Heilpraktiker eine durchblutungsfördernde Salbe auftragen. Bei der Trockenschröpfung wird der Schröpfkopf auf die Haut gesetzt, ohne dass diese vorher angeritzt (skarifiziert) wurde. Durch den erzeugten Unterdruck saugt der Schröpfkopf Haut und Unterhautteile an. Der Schröpfkopf wird ungefähr 10 bis 15 Minuten aufsitzen gelassen. Im behandelten Areal kommt es zu einer deutlichen bläulich-rötlichen Verfärbung.
Sinn des trockenen Schröpfens ist es, über die entsprechenden Dermatome (Hautabschnitt aus dem die sensiblen Anteile eines Rückenmarksnervs stammen) eine entlastende Funktion auf die zugeordneten Organe zu er¬reichen. Das dabei erzeugte Hämatom (Bluterguss) wirkt einerseits im Sinne einer Eigenblutbehandlung, andererseits kommt es zu einer verbesserten Blutversorgung des behandelten Areals.

Die blutige Schröpfung

Bei der blutigen Schröpfung wird die Haut, nach vorschriftsmäßiger Desinfektion, an vorher genau bestimmten Stellen mittels eines Schröpfschnäppers oder mit einer Lanzette angeritzt, sodass es zu einem Blutaustritt kommt. Über diesen Stellen wird ein Schröpfkopf aufgesetzt, in dem ein Unterdruck erzeugt wurde. Nun tritt in diesen Schröpfkopf langsam Blut über. Es ist darauf zu achten, dass die zu skarifizierende Stelle frei von Salben ist.
Sinn des blutigen Schröpfens ist es, im gestauten Gebiet eine Entlastung zu erreichen. Des Weiteren hat blutiges Schröpfen eine blutverdünnende, entzündungshemmende, krampflösende und schmerzstillende Wirkung.

Die Schröpfkopfmassage

Die Schröpfkopfmassage führt der Heilpraktiker meist am Rücken durch. Dazu wird das zu behan¬delnde Areal vorher eingeölt, oder es wird eine durchblutungsfördernde Salbe aufgetragen. Dann wird der Schröpfkopf ohne vorheriges Anritzen der Haut aufgesetzt und über das zu behandelnde Gebiet weitergezogen. Die Schröpfkopfmassage ist in ihrer Wirkung mit einer Bindegewebsmassage vergleichbar. Sie wird normalerweise rechts und links der Wirbelsäule durchgeführt (paravertebral), wodurch es zu einer vermehrten Hautdurchblutung in diesem Gebiet kommt. Des Weiteren entkrampft sich die Muskulatur, was eine wesentliche Voraussetzung für die psychische Entspannung des Patienten ist und wodurch die Selbstheilungskräfte angeregt werden.

Die Schröpfkopfmassage kann mit einem, mit zwei oder auch mit mehreren Schröpfköpfen durchgeführt werden. Bei der Behandlung mit nur einem Schröpfkopf schiebt man diesen durch langsam drehende und schiebende Bewegungen vorwärts. Man beginnt mit der Behandlung meist entweder am Hals, unterhalb des Haaransatzes und zieht den Schröpfkopf seitlich der Wirbelsäule bis zur Kreuzbeinregion hinab. Dann bewegt man den Schröpfkopf weiter bis zur seitlichen Beckenregion, um den Abtransport der Schadstoffe über die Bauchlymphgefäße anzuregen.

Behandelt man mit mehreren Schröpfköpfen, so schiebt man zunächst einen Schröpfkopf ungefähr 10 cm weiter, dann lässt man ihn stehen und bewegt das andere Schröpfglas auf der gegenüberliegenden Körperseite bis zur gleichen Stelle vorwärts. Auf diese Art verfährt man, bis der ganze Rücken durchmassiert ist. Die Massagezeit sollte 5 bis höchstens 10 Minuten nicht überschreiten, da es den Patienten sonst zu sehr anstrengen könnte, oder es könnte auf die Behandlung eine zu heftige Reaktion erfolgen. 

Es gibt dünnwandige und dickwandige Schröpfgläser. Letztere haben den Nachteil, dass sie bei sitzender Position des Patienten leichter zu Boden fallen. Sowohl dünn- als auch dickwandige Gläser eignen sich zur Schröpfkopfmassage. Es gibt noch Dickwandgläser, die mittels einer Pumpvorrichtung evakuiert werden können. Ihre Handhabung ist etwas umständlich.

Wie schon gesagt, wird die Haut beim blutigen Schröpfen angeritzt (skarifiziert). Seit alters her werden dazu mechanische Gerätschaften verwendet. Schröpfschnäpper haben den Vorteil, dass mit einem Schlag mehrere Schnitte ausgeführt werden. Dadurch wird dem Patienten das Nacheinander mehrerer schmerzhafter Einschnitte erspart. Allerdings muss man wissen, dass beim Gebrauch des Schröpfschnäppers Narben zurückbleiben können, vor allem, wenn man an derselben Stelle mehrmals behandelt. Weiterhin kann es zu Pigmentierungsstörungen kommen, die über Monate bis hin zu einem Jahr bestehen bleiben können.

Bei der Anwendung des Schröpfschnäppers ist unbedingt darauf zu achten, dass dieser in Richtung der verlaufenden Akupunkturmeridiane angesetzt wird, so dass es nicht zur Erzeugung von Störfeldern kommt.

Lanzetten gibt es als Einmalmesserchen steril verpackt. Allerdings muss man mit ihnen kräftig und mindestens zehn Mal einstechen, ehe eine dem Schnäpper vergleichbare Ska-rifikation entstanden ist. Der Einstich ist etwas schmerzhafter als der Gebrauch des Schnäppers. Das Vorgehen hat jedoch den Vorteil, dass keine Narben zurückbleiben.

Die Erzeugung des notwendigen Unterdruckes kann auf mehrere Arten erfolgen:

Pumpvorrichtung

Ein Unterdruck kann mittels eines dem Schröpfglas aufgesetzten Gummiballes erzeugt werden. Eine andere Möglichkeit ist eine zusätzliche mechanische Pumpvorrichtung.

Gasfeuerzeug

Die einfachste Methode ist sicherlich die Verwendung eines Gasfeuerzeuges. Die Flamme des Feuerzeuges wird kurz in das Schröpfglas gehalten und danach der Schröpfkopf schnell aufgesetzt. Es ist darauf zu achten, dass das Glas nicht zu heiß wird, so dass es nicht zu Verbrennungen kommen kann. 

Watte

Eine umständlichere und von unserer Heilpraktikerschule nicht empfohlene Methode ist es, ein wenig feinst aufgeflockte Watte in den Schröpfkopf zu geben, wobei ein Ende der Watte mit einem Tropfen Wasser am Boden des Schröpfglases befestigt wird. Die Watte wird angezündet und am Ende des Abbrennvorganges wird das Schröpfglas auf die Haut aufgesetzt. Die Watte muss deshalb am Boden des Schröpfglases angeklebt werden, damit nicht Reste der brennenden Watte auf den Patienten fallen und kleine Brandwunden erzeugen.

Eine andere Möglichkeit ein Vakuum zu erzeugen ist, Watte oder einen Tupfer auf einen Watteträger aufzubringen, sie mit Spiritus zu tränken, anzuzünden und sie dann kurz in das Schröpfglas einzubringen. Nach dem Herausziehen wird das Schröpfglas sofort auf die Haut angesetzt. Dieses Hantieren mit Spiritus birgt naturgemäß Gefahren in sich und wird deshalb von unserer Heilpraktikerschule ebenfalls nicht empfohlen.

Head und Mackenzie beobachteten, dass bei Erkrankungen innerer Organe immer wieder Veränderungen in bestimmten Haut- und Unterhautsegmenten auftraten. Sie schlossen daraus, dass eine nervale Wechselwirkung zwischen inneren Organen und den dazugehörigen Körperflächen bestehen muss. Dabei stellten sie folgende Veränderungen fest:

  • Haut. In der Haut können sich hypersensible (überempfindliche) Zonen, Durchblutungsstörungen und übermäßige Schweißabsonderungen einstellen.
  • Bindegewebe. Im Bindegewebe kann es zu Spannungsveränderungen, Einziehungen, Eindellungen und Quellungen kommen.
  • Muskulatur. In der Muskulatur können sich überempfindliche Gebiete mit Muskelverspannungen einstellen, die man in der Tiefe spüren kann und die bei längerem Bestehen in eine Atrophie der Muskeln übergehen können.
  • Knochenhaut und Knochen. Veränderungen in der Knochenhaut und am Knochen führen zur Schmerzüberempfindlichkeit des Periosts (Knochenhaut), zu Periostschwellungen und manchmal zu Knochenwucherungen oder Knochenatrophien. Demzufolge kann es bei fortgeschrittenen Fällen zu Haltungs- und Bewegungsanomalien kommen.

Um eine Entscheidung treffen zu können, ob blutig oder unblutig geschröpft werden soll, muss der Heilpraktiker den Patient gründlich untersuchen. Vor allem der Rücken liefert wichtige Hinweise sowohl für die Diagnose als auch für die Therapie. Dazu wird er auf schröpfwürdige Stellen untersucht, wobei es vor allem darum geht, kalte und heiße Reflexzonen aufzuspüren.

Eine kalte (blasse) Reflexzone kann sich als eine blutarme Verhärtung im Bindegewebe zeigen. Sie können dann als harte oder sulzige, kleine, schmerzhafte Stellen getastet werden, die auf tiefen und kräftigen Druck schmerzen. Dieser Druckschmerz wird von Patienten als „wohltuend“ empfunden. Kalte Reflexzonen können aber auch als große, flächige Gebiete gefunden werden. Es handelt sich dann um Einsenkungen.

Kalte Reflexzonen dürfen nur unblutig behandelt werden. Würde hier blutig geschröpft, so würden nur wenige Tropfen Blut austreten und die Beschwerden des Patienten würden sich verschlimmern.

Blasse Reflexzonen treten nicht nur bei asthenischen und anämischen Personen auf, sondern sie können bei allen Konstitutionstypen vorkommen. Sie sind Zeichen eines lokalen Energiemangels, in deren Folge es zu einem Sauerstoff- und Versorgungsdefizit kommt.

Bei der heißen (roten) Reflexzone handelt es sich um ein Gebiet, in dem es zu einem Blutstau gekommen ist. Dieser Stau kann im Bindegewebe oder in der Muskulatur sitzen. Bei der heißen Reflexzone tastet man eine pralle, druckschmerzhafte Härte. Die Druckschmerzhaftigkeit tritt im allgemeinen schon bei oberflächlichem Druck auf, wird jedoch ebenfalls im allgemeinen als angenehm empfunden. 

Heiße Reflexzonen werden blutig geschröpft, um die vorhandene Energiefülle abzuleiten. Würde hier irrtümlich trocken geschröpft, so würde sich das Befinden des Pati¬enten verschlechtern, da sich dann noch mehr Energie in diesem Bereich stauen würde.

Obwohl heiße Reflexzonen bevorzugt beim Plethoriker (Plethora, d.h. Fülle) vorkommen, können sie sich auch beim Astheniker (Asthenie, d.h. Kraftlosigkeit, Schwäche) als Ausdruck einer lokalen Fülle bilden. 
 

Leider sind in der Praxis die Reflexzonentypen oft nicht so eindeutig voneinander zu unterscheiden. Es gibt durchaus auch Zonen im Übergangsstadium. In unklaren Fällen wird man auf jeden Fall die trockene Schröpfung bevorzugen, wenn sich der Heilpraktiker in diesem Fall nicht überhaupt für eine andere Therapie entscheidet.

Es gilt zu bedenken, dass eine Energiefülle eine Energieleere nach sich ziehen kann. Kommt es beispielsweise im Schulter-Nacken-Bereich zu einer Energiefülle, so kann dies zu Kopfschmerzen aufgrund einer nachfolgenden Energieleere im Kopf führen.

  • Trockene Schröpfung. An einer Stelle, die sich zum trockenen Schröpfen eignet, ist die Haut schlecht durchblutet, blass und kalt. Eine Massage dieses Ortes bringt keine wesentliche Hautrötung. Wärme wird an dieser Stelle immer als wohltuend empfunden und bringt eine Entspannung.
    Eine trockene Schröpfung wird vor allem bei chronischen, schwächenden Krankheiten und bei spastischen Zuständen von Organen angewendet. Besonders bewährt hat sie sich bei Durchblutungsstörungen der Extremitäten, der Haut und der Unterhaut. Des Weiteren zeigt sie gute Erfolge bei Verstopfung, beim Reizkolon und bei Menstruationsbeschwerden.
  • Blutige Schröpfung. Stellen, die blutig geschröpft werden müssen, finden wir bevorzugt beim Plethoriker. Sie treten aber, wie gesagt, auch beim Astheniker als lokale Fülleerscheinung auf.
    Heiße Reflexzonen findet man aber auch oft am Beginn einer Erkrankung. Schreitet die Erkrankung weiter fort, so kann sich die heiße Zone in eine blasse umwandeln.

Nicht in jedem Fall entscheidet sich der Heilpraktiker entweder für eine trockene oder eine blutige Schröpfung, sondern er kann die beiden Verfahren auch miteinander kombinieren. Dabei nimmt er häufig zunächst eine trockene Schröpfung vor und danach eine blutige. 

Verändert sich eine kalte, blasse Zone im Verlauf einer heilpraktischen Behandlung in eine rote, heiße, so ist es dem Heilpraktiker gelungen, einen chronischen Prozess zu aktivieren und so allmählich eine Heilung herbeizuführen.

Baunscheidtieren

Das Baunscheidtieren wird von Heilpraktikern als Hautausleitungsverfahren eingesetzt, das heißt es wird damit eine Giftausleitung über die Haut erzielt. Als Entgiftungsverfahren ist das Baunscheidtieren ein wichtiger Bestandteil der Heilpraktikerausbildung. Siehe auch Ausleitungsverfahren

Das Baunscheidtieren wurde von Carl Baunscheidt (1809 -1873) entwickelt. Baunscheidt selbst erzählt in seinem Buch „Der Baunscheidtismus“, dass er jahrelang an rheumatischen Beschwerden litt. Eines Tages saß er in seinem Garten und seine heftig schmerzende rechte Hand lag auf dem Tisch. Unzählige Mücken umschwärmten ihn. Einige davon setzten sich auf seine Hand und nachdem er mehrmals vergeblich versucht hatte, sie abzuwehren, ließ Baunscheidt sie gewähren. Kaum hatten die Mücken gestochen, so war der rheumatische Schmerz fast verflogen. Baunscheidt schreibt weiter: „Die Mücke lehrte mich also das Geheimnis: wie auf eine ganz einfache und natürliche Weise die eingefangenen Krankheitsstoffe aus dem leidenden Teil des Körpers herausgezogen und abgeleitet werden könnten...“.

Baunscheidt ist fasziniert von dem Vorgefallenen und entwickelt seinen „Lebenswecker“ (s.u). Dieser allein bringt ihm aber noch nicht den gewünschten Erfolg, sodass er nun noch ein Öl entwickelt, das die Wirkung des Mückensekretes nachahmt.

Ein Lebenswecker ist ein Stichler, mit dem die Haut gereizt wird. Vom Handel werden heute unterschiedliche Ausführungen angeboten: einfache Einhand- und Zweihandmodelle, aber auch Lebenswecker-Pistolen und elektrisch betriebene Ausführungen. 

Nachdem der Heilpraktiker die zu behandelnde Körperstelle vorschriftsmäßig desinfiziert hat, lässt er die Nadeln des Lebensweckers ungefähr 1 bis 2 mm tief in die Haut einschnellen. Dabei achtet er darauf, dass möglichst kein Blut austritt. Danach reibt er die behandelten Areale mit einem in Baunscheidt-Öl getränkten Wattestäbchen ein. Dieses Öl wird über die Apotheke bezogen. Das Wattestäbchen taucht er wegen der Gefahr der Kontamination nicht direkt in das Ölfläschen, sondern das Öl wird für den jeweiligen Patienten in einen gesonderten Behälter abgefüllt.

Nach der Einreibung verspürt der Patient zunächst einen Juckreiz, der nach einer Weile allmählich in eine wohltuende Wärme übergeht. Der Juckreiz kehrt manchmal noch nachts oder am nächsten Tag wieder, wenn die behandelte Stelle mit Wasser oder Schweiß in Berührung kommt. Aus diesem Grund sollte der Patient für ein bis zwei Tage auf Baden und Duschen verzichten.

Schon kurz nach der Behandlung kommt es an der baunscheidtierten Stelle zu Hautveränderungen. Dabei handelt es sich um eine erwünschte Reaktion, da eine Ableitung von Giftstoffen über die Haut erreicht werden soll. Zeigt die Haut keine Reaktion, so muss mit einer eingeschränkten Funktion der Haut als Ausscheidungsorgan gerechnet werden. In diesem Fall wiederholt der Heilpraktiker die Behandlung in einem angemessenen Zeitabstand, meist nach einer Woche, um die Ausscheidungsfähigkeit der Haut zu verbessern.

Bei überschießenden Hautreaktionen kann der Heilpraktiker eine Salbe auftragen. Nachbehandlungen werden oft mit Lymphsalben durchgeführt, also mit Salben die den Lymphfluss verbessern, um damit den Abtransport von Schadstoffen nochmals zu erhöhen.

Baunscheidt selbst empfiehlt sinngemäß folgende Vorgehensweise:

  • Vorzugsweise wird rechts und links der Wirbelsäule behandelt. Hier schlägt der Heilpraktiker mit dem Lebenswecker je nach Schwere der Erkrankung und nach Belastbarkeit des Körpers 40 bis 60 mal ein.
  • Die behandelte Hautfläche wird mit dem Baunscheidt-Öl eingerieben. Nachdem dieses soweit in die Haut eingezogen ist, dass es mit der Kleidung nicht mehr weggewischt werden kann, kann sich der Patient wieder ankleiden.
  • Sollte der Schmerz, wegen dem der Patient behandelt wurde, nach einigen Tagen noch nicht verschwunden sein, so wartet man die restlose Ausheilung des Ausschlages ab, um danach die Anwendung zu wiederholen. In diesem Falle wird etwas kräftiger behandelt als beim ersten Mal.
  • Je weniger die Haut in der Lage ist, Schadstoffe auszuscheiden, desto länger dauert es, bis die Wirkung des Lebensweckers eintritt. In diesen Fällen kann der Erfolg gefördert werden, indem die Hautdurchblutung angeregt wird, beispielsweise durch eine Bürstenmassage.
  • In hartnäckigeren Fällen muss die Anwendung solange fortgesetzt werden, bis sich auch hier das gewünschte Resultat einstellt. Selbst in schwierigsten Fällen dauert die Behandlung jedoch fast nie länger als vier bis sechs Monate.
  • In den ersten Tagen nach der Behandlung soll sich der Patient vor Zugluft und Nässe schützen. Kalte und saure Getränke und Speisen sind zu vermeiden.
  • Der Lebenswecker kann - vorsichtig eingesetzt - auch bei Kindern angewendet werden, ohne zu schaden.

Damit es nach der Behandlung nicht zu unerwünschten Reaktionen kommt, vor allem damit Pigmentierungsstörungen und Narbenbildungen unterbleiben, ist folgendes zu beachten:

  • Die Nadeln nicht zu tief in die Haut eindringen lassen, um einen Blutaustritt zu vermeiden.
  • Die Anwendung erst wiederholen, wenn sich die Haut völlig regeneriert hat.
  • Zarte Haut, zum Beispiel die Brusthaut bei Frauen, darf nicht genadelt werden.
  • Ferner sind alle Stellen, die direkt über Knochen liegen, für die Behandlung verboten. Vor allem soll keine Nadelung direkt über der Wirbelsäule vorgenommen werden.
  • Das Öl darf nicht auf Schleimhäute und vor allem nicht in die Augen gebracht werden, da es dort ein unangenehmes Brennen hervorruft. Ebenso dürfen Handflächen und Fußsohlen nicht mit dem Öl eingerieben werden.
  • Der Patient soll über den behandelten Körperstellen in den folgendenTagen nur Kleidung aus Baumwolle tragen.

Der Hauptbehandlungsort ist, wie schon Carl Baunscheidt sagt, das Gebiet rechts und links der Wirbelsäule. Weitere wichtige Behandlungsorte sind Oberarme, zwischen und über den Schulterblättern, über dem Magen und hinter den Ohren. Baunscheidt hat die typischen Behandlungsorte an der Statuette „Adonis und Aphrodite“ veranschaulicht.

Hauptindikationen sind einerseits eine beabsichtigte allgemeine Entgiftung des Körpers und andererseits die Entlastung bestimmter innerer Organe. Im ersteren Fall wird paravertebral behandelt, im letzteren wird das entsprechend zugeordnete Dermatom baunscheidtiert.

Besonders bewährt hat sich das Baunscheidtieren bei rheumatischen Erkrankungen, bei allgemeinen Schmerzzuständen, bei Neuralgien, Neuritiden, Arthrosen, Arthritiden, Lumbalgien und Ischialgien.

  • Stärkung einzelner Organe
    Segmentale Behandlung entsprechend den Arealen von Head und Mackenzie.
  • Allgemeine Stärkung aller inneren Organe (auch bei Rheuma und Gicht). 
    Es wird der gesamte Rücken rechts und links der Wirbelsäule behandelt.
  • Stärkung des Magens
    Nadelung der Magengegend und das Gebiet zwischen und über den Schulterblättern
  • Stärkung der Lunge
    Hier wird zwischen den Schulterblättern und auf der Brust (nicht bei Frauen!) behandelt.
  • Stärkung der Leber
    Die Lebergegend und der rechte Rücken oberhalb des Kreuzbeines werden genadelt.
  • Stärkung des Darms
    Behandlungsort ist die Kreuzbeingegend und die Region um den Nabel herum.
  • Stärkung der Hirnnerven
    Nadelung des Nackens und des Gebietes hinter den Ohren.
  • Allgemeine Abwehrsteigerung bei immer wiederkehrenden Infekten
    Den ganzen Körper von Zeit zu Zeit nadeln, aber ohne anschließend Öl aufzutragen.

Ausbildung Schmerztherapeut

Dieses Webinar ist eine Fachfortbildung im Rahmen unserer zertifizierten Ausbildung zum Schmerztherapeuten.

Die Ausbildung zum Schmerztherapeuten umfasst die beiden Blöcke "Theorie und naturheilkundliche Schmerztherapien" sowie "Therapiemöglichkeiten". Um das Zertifikat "Schmerztherapeut" zu erlangen ist der Besuch von mind. 3 weiteren ausgewählten Fachfortbildungen erforderlich.

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