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Blutegeltherapie – Heilen mit Blutegeln

Blutegel zu Therapiezwecken sachgerecht und wirkungsvoll einsetzen

Praxisseminar in Kenzingen

Die Blutegeltherapie ist ein echtes Kind der Naturheilkunde und hat seit Jahrhunderten ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt. Ihr bekanntestes Einsatzgebiet sind Ödeme infolge von Varikosis (Krampfaderbefall). Im Kurs werden Sie sehen, dass diese kleinen Tiere noch viel mehr können und eine effektive und natürliche Hilfe für Ihre Patienten bei Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder Gefäßleiden bieten. 

Kursziel

Nach dem Besuch des Kurses sind Sie in der Lage, die wirkungsvolle Blutegeltherapie selbst einzusetzen.

Kursinhalt

In diesem Kurs wird der Einsatz der Blutegel theoretisch ausführlich besprochen und praktisch demonstriert. Sie müssen keinen eigenen Blutegel mitbringen, sollten aber bereit sein, die Methode an sich selbst zu üben bzw. üben zu lassen.

Allgemeine Kursinformationen

Dozent

 

Marco Haas

Heilpraktiker

Adressaten: Heilpraktiker, Heilpraktikeranwärter und interessierte Laien zur Eigenbehandlung und zum Einsatz im Wellnessbereich, um Erkrankungen vorzubeugen und zur Giftausleitung.

Termine und Uhrzeit: aktuell keine Termine festgelegt

Preis des Kurses: 80 €

Veranstaltungsort: Heilpraktikerschule Isolde Richter, Üsenbergerstraße 13, 79341 Kenzingen

Fachfortbildung: Nach Besuch des Kurses erhalten Sie einen kostenlosen Fachfortbildungsnachweis unserer Schule.

Teilnehmer: min. 8, max. 12

Bepunktung: Bonuspunkte: 0, Fachfortbildungspunkte: 14

 

Anfahrt & Unterkunft

Was ist Blutegeltherapie?

Bei der Blutegel-Behandlung werden Blutegel an geeigneter Stelle angelegt, sodass sie einen kleinen Aderlass von ca. acht bis zehn Milliliter Blut herbeiführen. Durch die im Speichel der Egel enthaltenen gerinnungshemmenden Substanzen kommt es zu einer weiteren Nachblutung. Blutegel werden zum Beispiel erfolgreich eingesetzt, wenn die Körperflüssigkeiten - Blut und Lymphe - nicht mehr richtig zirkulieren oder gestaut sind.

Die Anwendung des medizinischen Egels zu Heilzwecken ist so alt wie die Säftelehre selbst. Voraus gingen Schröpfen und Aderlass; die Egeltherapie ergänzt diese Ausleitverfahren seit mehreren tausend Jahren und ist aus Indien in die Heilkunst eingeführt worden.

In alten Sanskritaufzeichnungen etwa 1000 v. Chr. wird schon über die systematische Zucht und Anwendung von Blutegeln bei verschiedenen Krankheiten berichtet. Z. B. beginnt das Kapitel über Egelanwendung im Buch des indischen Arztes Susruta folgendermaßen: „Bei Königen, reichen Leuten, Kindern, Furchtsamen, Abgemagerten, Frauen und zarten Menschen ist als mildeste Art der Blutentziehung der Blutegel angezeigt." Es finden sich in diesem Werk außerdem schon genaue Angaben über Indikationen, Kontraindikationen und Technik der Blutegel, welche bereits auf eine alte Tradition schließen lassen. Ebenso wird genau aufgeführt, welche Arten giftig und welche empfohlen sind. Auch wird darauf verwiesen, dass man die Egel nicht aus übelriechenden Gewässern entnehmen soll.

Bis gegen Ende des 19. Jh. war die Blutegel-Therapie vor allem auch in Frankreich verbreitet und nahm mehr und mehr extreme Ausmaße an. Es fand ein Vampirismus statt, durch den die Menschen regelrecht ausgeblutet wurden, häufig mit letalem Ausgang. Es gibt Zeichnungen, auf denen Patienten mit bis zu 100 angesetzten Egeln zu sehen sind. Kein Wunder, dass diese Therapie in Verruf geriet.

Auch aus anderen Gründen wurde die Egeltherapie abgelehnt. Pukownik erwähnt, dass die empirische Erfahrung und Volksheilkunde von der Chemie überrollt wurde. Die althergebrachten Methoden galten als rückständig und fielen der wissenschaftlichen Medizin zum Opfer. Da Blutegel weder zu sterilisieren noch keimfrei zu machen sind, wurde die Therapie endgültig verworfen.

Als Hauptüberlieferer der Egeltherapie in unsere Zeit gilt Heinz Bottenberg. Bottenberg hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Blutegel heute wieder seinen festen Stellenwert in der naturheil-kundlichen Praxis hat.

Die Biologie des Blutegels

Zur Ausübung seines Berufes hat die Natur den Egel athletisch und klettergewandt ausgestattet.

Blutegel (gr. kleine Schlange) gehören zur Gattung der blutsaugenden Ringelwürmer, den Anneliden, die mit den Regenwürmern verwandt sind. Die bekannteste von mehr als 300 Arten ist der medizinische Egel Hirudo medicinalis, der heutzutage vor allem aufgrund mangelhafter Lebensbedingungen kaum mehr zu finden ist. Daher wird er in speziellen Egelfarmen gezüchtet oder aus dem Ausland importiert, vorrangig aus Ungarn (Hirudo officinalis) und der Türkei.

Schmeils Tierkunde berichtet: „Der medizinische Blutegel kann bis zu 20 cm lang werden. Er hält sich vorwiegend am Grund pflanzenbewachsener Teiche, Tümpel und Bäche auf."
Über die olivgrüne, leicht gewölbte Oberseite ziehen rostbraune dunkel gefleckte Längsstreifen. Die abgeplattete Unterseite erscheint heller. Am Vorder- sowie am Hinterende des Körpers befindet sich jeweils ein muskulöser Saugnapf, mit dessen Hilfe sich der Egel nach Art der Spannerraupen fortbewegt. Die Saugnäpfe dienen ihm aber auch zum sich Festhalten an Lebewesen, von deren Körpersäften er sich ernährt. In der Jugend saugt er sich an Schnecken, Kaulquappen und anderen Kaltblütern des Gewässers fest. Erwachsen ist er auf das Blut von Warmblütern angewiesen.

95 Ringe unterteilen den Hautmuskelschlauch des Egelkörpers, wobei die vorderen 9 bis 10 Ringe den Kopf bilden, mit dem zuerst das Blut aufnehmenden Kropf, welcher auch die Verdauungsbakterien liefert. Auf den vorderen Ringen der Oberfläche lassen sich fünf schwarze Augenpaare erkennen. Andere vorhandene Sinnesorgane, die z. B. auf chemische, sensitive und thermische Reize reagieren, sind auf entsprechende Hautareale verteilt. Im vorderen Saugnapf erkennen wir den dreispaltigen Mund und in diesem drei hornige Kiefer, deren gebogenen Ränder mit bis zu 80 feinen scharfen Kalkzähnchen bestückt sind. Ein solches Werkzeug schneidet mühelos durch die weiche Epidermis des badenden Menschen oder das dicke Fell von trinkenden Rindern. Der Biss ähnelt einem Mercedesstern. Zwischen den Zähnchen liegen die Ausfuhrungsgänge der Speicheldrüsen. Inhaltstoffe des Speichels betäuben den Wundschmerz. Über den Saugvorgang wird in zahlreichen Blindsackpaaren soviel Blut aufgenommen, dass der Körper unförmig anschwillt und das Gewicht um bis zum Fünffachen zunimmt. Von diesem Blutvorrat kann der Egel viele Monate leben.

Der Egel beginnt bereits während des Saugens das aufgenommene Blut durch Abpressen von Wasser über die Epidermis einzudicken, um das Volumen seines Nahrungsvorrates zu vermindern und um beweglich zu bleiben als Schutz vor Feinden.

Für den Patienten bedeutet der begrenzte allmähliche Blutverlust meist spürbare gesundheitliche Verbesserung, vor allem oft spontane Schmerzlinderung. Von entscheidender Bedeutung ist dabei – als wesentlicher Unterschied zum normalen Aderlass – dass über die minimale Bisswunde etliche Wirkstoffe des Egels in den Blutkreislauf des Kranken abgegeben werden. Toxische Stoffwechselprodukte können abgebaut werden und der „innere Arzt" wird zu Regulations- und Reparaturleistungen stimuliert, vorausgesetzt, die Wunde darf kompressionslos bis zu 12 Stunden nachbluten.

Indikationen

Von A wie Abwehrschwäche bis Z wie Zystitis

Aus dem umfassenden Gesamtkatalog der Indikationen möchte ich exemplarisch einige herausgreifen:

Gefäßerkrankungen

  • Kopfschmerz/ Migräne
  • Tinnitus
  • Hypertonie
  • Appoplexie
  • Thrombose
  • Postthrombotisches Syndrom
  • Varizen
  • Hämorrhoiden
  • Angina pectoris
  • Asthma

Entzündungen

  • Nasennebenhöhlen-, Mittelohrentzündung
  • Schleimbeutel-, Sehnenscheidentzündung, „Tennisarm" (Epikondylitis),
  • Arthritis
  • Thrombophlebitis
  • Furunkel
  • Beingeschwüre (Ulcus cruris)

Stoffwechselleiden

  • Rheuma
  • Gicht
  • Arthrose
  • Lebererkrankung
  • Grauer und grüner Star
  • Netzhautblutungen
  • Abwehrschwäche
  • Klimakterium

Immer häufiger wird diese Therapie jetzt auch in der Schulmedizin bei plastischen und rekonstruktiven Operationen eingesetzt.

Kontraindikationen

Blutgerinnungsstörungen

  • Bluter oder Patienten, die mit Antikoagulanzien (Marcumar, Aspirin hochdosiert) behandelt werden.

Allergie gegen Hirudin

  • Abklären, ob die Salbe Hirudin gegen Sportverletzungen/ Varizen beim evtl. Benutzen vertragen wurde.

Zustand der Schwäche

  • Bei Kachexie kann sich der Zustand deutlich verschlimmern.

Zustand der blutigen Fülle

  • Blutende Magen- und Darmgeschwüre
  • Länger bestehende Menorrhagie
  • Blutende Hämorrhoiden werden durch die antithrombotische Wirkung verstärkt
  • Anämie
  • Gelten generell als Kontraindikationen für jede Art der Blutentziehung

Hypotonie

  • Der Patient würde zusätzlich geschwächt.

Keloidbildung

  • Die Ansetzpunkte können Keloidnarben erzeugen und je nach Lokalisation und psychischer Lage des Patienten Schwierigkeiten bereiten. Deshalb sollte man eine andere Therapieform überlegen.

Schwangerschaft

Ekel vor Egel

  • Ekel kann laut Literaturbeschreibung durch Hysterie zu Unverträglichkeiten und zu Allergie führen. In diesen Fällen tritt nicht der erwünschte Erfolg ein.