Anthroposophische Heilkunde

Einstieg in die anthroposophische Heilkunde

Webinar (Online-Ausbildung) mit Zertifikat

 

Haben Sie sich schon mit Rudolf Steiner und seinen Werken beschäftigt? Zugegeben, manche Bücher sind keine leichte Lektüre.
Lässt Sie das Thema aber einfach nicht los?

Dann gehen Sie gemeinsam mit uns auf eine außergewöhnliche Reise in die vielschichtige Welt der Anthroposophie! Lernen Sie die anthroposophisch-therapeutische Denk- und Arbeitsweise und ihre Heilmittel von Grund auf kennen.

Kursziel - Das können Sie vom Anthroposophie-Webinar erwarten

Ziel dieser Online-Ausbildung ist Ihr Einstieg in die Welt der anthroposophischen Heilkunde und der anthroposophisch-therapeutischen Denk- und Arbeitsweise.

Anthroposophischen Erkenntnissen zufolge lassen sich Krankheits- wie auch Heilungsprozesse mithilfe zweier Gliederungssysteme erklären, einer funktionellen Dreigliederung und einer viergliedrigen Wesensbetrachtung des Menschen. Diese Systeme und die sich hieraus ergebenden, für die naturheilkundliche Praxis relevanten Aspekte stehen neben einer grundlegenden Einführung in die anthroposophische Welt- und Menschenschau im Zentrum dieses Kurses.

Sie lernen Schritt für Schritt, anthroposophische Zusammenhänge grundlegend zu verstehen. Ihr erlerntes Wissen können Sie dann gezielt für eine anthroposophisch orientierte Therapie anwenden und diese in den Kontext Ihrer weiteren Therapiekonzepte stellen.

Kursinhalt - Das lernen Sie im Webinar

Geschichte, Wesen und Wirken der anthroposophischen Heilkunde

  • Rudolf Steiner und die Anthroposophie - ein Portrait
  • Das anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Welt- und Menschenbild
    • Planetarische Entwicklung
    • Naturreiche und Wesensglieder
  • Das Mineralreich
  • Das Pflanzenreich
  • Das Tierreich
  • Der Mensch
    • Die leibliche Viergliederung des Menschen
  • Der physische Leib - Materieleib
  • Der ätherische Leib - Lebensleib
  • Der astrale Leib - Empfindungsleib
  • Die Ich-Organisation - Mensch
    • Die funktionelle Dreigliederung des Menschen
  • Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (Sulfur)
  • Das Sinnes-Nerven-System (Sal)
  • Das Rhythmische System (Merkur)
  • Krankheit und Gesundheit aus anthroposophischer Sicht
    • Wie kommt es zu Krankheiten - wie kann Heilung gelingen?
    • Die Dreigliederungsidee und ihre praktische Anwendung in der Therapie - Krankheit als funktioneller Prozess an falscher Stelle
    • Der Mensch und seine vier Wesensglieder - Wesensgliederdiagnostik und Wesensgliedertherapie - Krankheit als Ungleichgewicht der Wesensglieder

Die anthroposophische Heilkunde in der Praxis

  • Herstellung und Potenzierung anthroposophischer Heilmittel
  • Grundlegendes zu den Potenzen in der anthroposophischen Heilkunde
  • Die anthroposophische Betrachtung von Heilsubstanzen – Signaturen und Einseitigkeiten als Wegweiser zu den Heilkräften
  • Die anthroposophische Betrachtung der vier Hauptorgane Leber, Nieren, Lunge und Herz
  • Die Verabreichung anthroposophischer Heilmittel – Wie werden Heilmittel im Hinblick auf das anthroposophische Verständnis von Krankheit und Heilung verabreicht und eingesetzt?
  • Anthroposophische Typenmittel – Basistherapeutika zur organspezifischen Unterstützung in der Behandlung chronischer Erkrankungen
  • Planetenmetalle und vegetabilisierte Metalle – Metalltherapie und Organbezug
  • Die Mistel - Portrait einer „alten Mondenpflanze“ und ihr Bezug zu Tumorerkrankungen – Einführung in die Misteltherapie
  • Rhythmische Anwendungen, Eurythmie und Heileurythmie
  • Lebensjahrsiebte und Biographiearbeit
  • Künstlerische Therapie

Interdisziplinäre Betrachtungen und Ausblick

  • Die anthroposophische Heilkunde als regulationsmedizinische Disziplin in der Erfahrungsheilkunde
  • Anthroposophie und Homöopathie - Die Dynamik von Krankheits- und Heilungsprozessen im Licht der Anthroposophie und der homöopathischen Miasmen.
    • Fieber – die Bedeutung des „Feuers“
  • Ausgewählte Fallbeispiele aus der Praxis für die Praxis.

Schülermeinungen

Wie bewerten andere Teilnehmer diesen Kurs? Welche Erfahrungen haben Schüler gemacht? Hier finden Sie das Feedback unserer Schüler zu diesem Seminar. 

So läuft Ihr Anthroposophie-Webinar ab

Die Ausbildung umfasst 16 Termine à 2 Stunden.

Unterricht: Die Live-Termine sind interaktiv, Fragen zu den Kursinhalten können Sie hier direkt an Ihren Dozenten richten.
Veranstaltungsort: Ihr heimischer PC 

Aufzeichnungen: Sie können nicht immer live dabei sein? Kein Problem: Alle Online-Schulungen werden komplett aufgezeichnet. Das heißt, Sie versäumen nichts, wenn Sie einmal verhindert sind und Sie können den Kurs auch nachträglich buchen und individuell nacharbeiten.

E-Learning: Ihr persönlicher Zugang zum E-Learning-Portal wird am Tag vor Kursbeginn freigeschaltet. Dort stellen wir Ihnen nach und nach die Unterlagen zu den einzelnen Schulungsterminen sowie die Aufzeichnungen zur Verfügung. Bonus: Bei diesem Webinar können Sie alle Inhalte im E-Learning bis 12 Monate nach Kursende nutzen!

Ihre Lernunterlagen: 

  • Vortragsfolien und weitere Unterlagen zum Download
  • Ausführliches Skript im PDF-Format
  • Multiple Choice-Lernfragen im E-Learning

Empfohlene Literatur: Der Merkurstab - Vademecum Anthroposophische Arzneimittel: www.merkurstab.de

Grundlage des Seminars bilden die Werke:

  • Rudolf Steiner: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen
  • Werner Schmötzer: Anthroposophische Naturheilpraxis

Prüfung und Zertifikat

Seminarprüfung: Der Prüfungszeitraum beginnt ca. 6 Wochen nach dem letzten Unterrichtstermin. Die Prüfung wird online durchgeführt. Es ist keine Anreise erforderlich.

Mit erfolgreichem Abschluss der gesamten Ausbildung kann das Zertifikat "Anthroposophische Heilkunde" erworben werden. Voraussetzung ist die Teilnahme an allen Webinarschulungen (bzw. Aufzeichnungen) sowie das Bestehen der Online-Abschlussprüfung.

PDF: Weitere Informationen zu Prüfung und Zertifikat

Allgemeine Kursinformationen

Ihr Dozent: Manfred Nistl, Heilpraktiker, Gesundheitswissenschaftler

Adressaten: Dieses Seminarangebot richtet sich an alle Interessenten, die einen Einstieg in die Welt der anthroposophischen Heilkunde und ihrer Heilmittel erhalten möchten.
Es eignet sich auch als Weiterbildungsseminar für Homöopathen, Miasmatiker und Therapeuten. Eingeladen sind Heilpraktiker, Heilpraktikeranwärter, Teilnehmer unserer Homöopathie- und Therapie-Ausbildungen und alle Interessenten, die ihren Therapieschatz um eine weitere Schöpfung unserer abendländischen Heilkunst erweitern möchten.

Termine und Uhrzeit: Die Schulungen können Sie wahlweise als Live-Webinar besuchen oder ganz individuell die Schulungsmitschnitte nutzen. Dadurch ist der Kurs auch nach dem letzten Live-Termin für Sie buchbar.
16 Termine à 2 Std.

  1. Dienstag, 20.11.2018 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  2. Dienstag, 04.12.2018 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  3. Dienstag, 18.12.2018 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  4. Dienstag, 15.01.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  5. Dienstag, 29.01.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  6. Dienstag, 12.02.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  7. Dienstag, 12.03.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  8. Dienstag, 19.03.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  9. Dienstag, 02.04.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  10. Dienstag, 16.04.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  11. Dienstag, 14.05.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  12. Dienstag, 28.05.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  13. Dienstag, 11.06.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  14. Dienstag, 02.07.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  15. Dienstag, 16.07.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
  16. Dienstag, 30.07.2019 ab 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr

Prüfungszeitraum: (Zertifikatsvoraussetzungen s.u.)

  • 11.09.2019 bis 25.09.2019
  • 06.01.2020 bis 20.01.2020 (Nachholtermin)

Preis des Kurses: 495 €

Fachfortbildung: Nach Besuch des Kurses erhalten Sie einen kostenlosen Fachfortbildungsnachweis unserer Schule; Sie können sich diesen in unserem E-Learning-Portal selbst als PDF-Dokument herunterladen und ausdrucken.

Teilnehmer: min. 20, max. 99

Bepunktung: Bonuspunkte: 25, Fachfortbildungspunkte: 128

Infovideo zum Kurs

Hier direkt ansehen:

Hintergrundinformationen zur Anthroposophie

Rudolf Steiner hat seine Erkenntnisse auf nahezu alle Bereiche unseres Lebens übertragen, wie z.B. Medizin, Architektur, Pädagogik (Waldorfpädagogik), Landwirtschaft, Kunst und auch Religion. 

In seiner Lehre vereinen sich sowohl christliche als auch gnostische und fernöstliche Religionsinhalte mit der Weltanschauung Goethes und den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu Steiners Zeit. Dabei ist es der Anthroposophie ein Anliegen, dass der Mensch über eigene Forschungen und seine eigene geisteswissenschaftliche Naturschau auf seinem eigenen Erkenntnisweg zu weiteren Erkenntnissen in der irdischen wie auch übersinnlichen Welt gelangt.

Der anthroposophische Ansatz innerhalb der Medizin hat viele Anhänger. Mittlerweile kommt das ursprünglich vom deutschsprachigen Raum ausgegangene Therapieverfahren in zahlreichen Ländern zum Einsatz und wird ständig weiterentwickelt. Da Rudolf Steiner die Erkenntnisse der Anthroposophie als sinnvolle Ergänzung zur wissenschaftlichen Medizin erarbeitet hat, kann eine anthroposophisch orientierte Therapie im Rahmen nahezu aller medizinisch-therapeutischen Therapien durchgeführt werden.

Übrigens: In Deutschland wurde die anthroposophische Medizin so wie auch die Homöopathie und die Phytotherapie im Arnzeimittelgesetz als "besondere Therapierichtung" anerkannt und ins Sozialgesetzbuch V (SGB V) aufgenommen. 

Die Anthroposophie (griech. anthropos Mensch und sophia Weisheit) ist eine gnostische (griech. gnosis - Gotteserkenntnis) Weltanschauung, die von dem Philosophen Rudolf Steiner (1861-1925) begründet wurde.

Die anthroposophische Medizin und Heilkunde versteht sich im Einklang mit entsprechenden Äußerungen Steiners nicht als alternative Medizin, sondern als sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin.

Anthroposophische Ärzte absolvieren ein ganz reguläres Medizinstudium und anthroposophische Heilpraktiker eine entsprechende umfassende Heilpraktikerausbildung. Ihre erworbenen grundlegenden medizinischen Kenntnisse ergänzen sie durch anschließende Studien über das anthroposophische Menschen- und Weltbild.

In der Therapie versuchen Arzt und Therapeut die Ursachen einer Erkrankung ganzheitlich und mit Hilfe geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse, die auf die Arbeiten Rudolf Steiners und seiner medizinischen Beraterin, der Ärztin Ita Wegman (1876-1943) zurückgehen, zu erfassen.

Der Lebens- und Krankheitsverlauf, das soziale und familiäre Umfeld sowie die Persönlichkeit des Erkrankten spielen bei dieser Betrachtung eine entscheidende Rolle.

Rudolf Steiner entwickelte seine geisteswissenschaftlichen Gedanken und die theoretisch-methodischen Grundlagen der anthroposophischen Medizin und Heilkunde auf der Grundlage intensiver philosophischer Studien, insbesondere des Gesamtwerkes von Johann Wolfgang von Goethe.

In Vorträgen für Ärzte, Medizinstudenten, Pädagogen und viele weitere interessierte Berufsgruppen sowie u.a. in dem 1925 mit Ita Wegman herausgegebenen Buch „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen“ sind diese Erkenntnisse für den Bereich der Medizin festgehalten.

Anfang der 1920er Jahre entstanden in Filderstadt (bei Stuttgart) und Arlesheim (Schweiz) erste klinisch-therapeutische Institute.


Das zentrale Institut für anthroposophisch-medizinische Studien und Weiterbildung bildet die medizinische Sektion am Goetheanum / Freie Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach in der Schweiz.

Für die Herstellung anthroposophischer Arzneimittel entstanden parallel pharmazeutische Laboratorien, aus denen später die Arzneimittelbetriebe WELEDA und WALA hervorgingen.

Die anthroposophische Medizin unterscheidet beim Menschen vier sogenannte  „Wesensglieder“. Sie können als differenzierte Ebenen unseres Menschseins mit spezifischen Eigenschaften und Aufgaben für den Menschen betrachtet werden.

  • Physischer Leib („toter Leib, reine Materie“)
  • Ätherleib („belebter Leib“)
  • Astralleib („Empfindung“)
  • Das „Ich“ („Geist“)

Durch das Zusammenwirken dieser Wesensglieder entstehen im menschlichen Organismus darüberhinaus drei funktionelle Einheiten bzw. Funktionssysteme:

  • Das Nerven-Sinnes-System (Träger des Denkens)
  • Das rhythmische System (Träger des Fühlens)
  • Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (Träger des Wollens)

Die anthroposophische Medizin und Heilkunde sieht den Patienten in einer außergewöhnlich hohen Eigenverantwortung, an seiner Heilung mitzuwirken. So werden Selbstheilungskräfte angeregt, aber auch Verhaltensweisen geübt, welche die Genesung und die Aufrechterhaltung der Gesundheit fördern sollen.

Künstlerische Tätigkeiten sollen den Heilungsprozess noch weiter fördern. So beschäftigt sich der Patient mit Malerei, Musik, Tanz („Heileurythmie“ = eine verlautbarte Bewegungsform) oder Sprachgestaltung, um Essentielles über sich selbst kennenzulernen und zu seinem inneren Wesen durchzudringen.

Physikalische Maßnahmen, um z. B. die Durchblutung und den Stoffwechsel anzuregen, werden in Form von Bädern, Auflagen und Wickel verordnet, aber auch die „Rhythmische Massage nach Ita Wegman“ findet ihre Anwendung.

Durch ein Ungleichgewicht dieser Systeme, so die Sichtweise der anthroposophischen Medizin, entstehen Krankheiten beim Menschen. Zur Therapie werden anthroposophische Arzneimittel aus natürlichen Rohstoffen (z. B. Mistelextrakt bei Krebserkrankungen) mit dem Ziel eingesetzt, das verlorene Gleichgewicht wieder herzustellen.

Krankheit und Gesundheit aus anthroposophischer Sicht

Gesundheit aus anthroposophischer Sicht ist einerseits die harmonische Ausgewogenheit von Stoffwechsel-Gliedmaßen- und Sinnes-Nervenprozessen bei gut funktionierendem rhythmischem System und gleichzeitig die vollständige Inkarnation des Menschen mit lebendiger und ausgewogener Durchdringung all seiner Wesensglieder. 
Hierzu schreibt Steiner (2000): „Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist). Er muß als Gesunder aus diesen Gliedern angeschaut; er muß als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen; es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“
Nach anthroposophischem Verständnis sind es „normale“ physiologische Prozesse, die beim kranken Menschen in Krankheitszustände übergehen. Auf dieser Grundlage zieht ein anthroposophisch arbeitender Therapeut neben der klinischen Diagnose seine für die Therapie relevanten Schlüsse und stellt seinen Behandlungsplan auf.

Krankheit als Ungleichgewicht der Wesensglieder

Grundlage der Wesensgliedertherapie ist die Wesensgliederdiagnostik. Als wesentliche Säulen der anthroposophischen Menschenbetrachtung stehen die Wesensglieder und ihre typischen Prozesse signifikant für bestimmte Krankheitsursachen und entsprechende Heilungswege. Ein ausgwogenes Miteinander der Wesensglieder ist Grundvoraussetzung für Gesundheit. Steiner (2000) spricht davon, dass Krankheit einerseits eintrete, wenn das Geistige oder Seelische zu weit in den Organismus vorstoße und dadurch die Selbstheilungskräfte teilweise oder ganz in ihrer Wirkung beeinträchtigt würden. Den anderen Fall beschreibt er in dem gänzlichen oder teilweisen Fehlen der lockeren aber notwendigen Verbindung des Astralischen und der Ich-Organisation mit dem Körperlichen mit der Folge, dass die betroffenen Organe über das gesunde Maß hinaus eine Fortsetzung der ansonsten gesunden Prozesse betreiben würden. 

Im Zentrum dieser Betrachtungen stehen für Steiner zwei Kräftesysteme, die ihren Ursprung haben im Nervensystem und im Blutsystem. Während das Nervensystem primär von krank machenden Vorgängen geprägt ist (Zerfallen der Eiweißsubstanz, Steiner 2000, S.45), steht demgegenüber das Blut mit seinen aufbauenden, wärmenden und heilenden Kräften. Hierzu ein Zitat von Steiner (2000): „Die Blutvorgänge sind solche, in denen die Ich-Organisation im menschlichen Organismus der äußeren, in ihn fortgesetzten physischen Natur gegenübersteht, die aber in die Gestaltung der Ich-Organisation hineingezwungen wird.“ Gesundheit resultiert in diesem Sinne aus dem optimalen Wechselspiel der Nervenprozesse und der Blutbildung, und zwar dergestalt, dass Nervenprozesse abbauender und stoffwechselarmer Natur sind, während über die Blutbildung das Ich den äußeren physischen Kräften gegenüber tritt und diese in die Gestaltung der Ich-Organisation mit hineinzwingt (Steiner ebenda). „Man kann in diesem Wechselspiel die Vorgänge des Erkrankens und der Heilung unmittelbar erfassen,“ so Rudolf Steiner. 

Besteht ein Ungleichgewicht der Wesensglieder, kann es dazu kommen, dass der Mensch zu sehr dem Äußeren, das wir im Mineralreich, Pflanzenreich oder Astralen wiederfinden, ähnlich wird und damit von seinem eigentlichen Wesen entfremdet wird. Zu viel Starre (mineralisch) ist ebenso ungesund wie zu wenig Auftriebskräfte (Ätherleib; Ödembildung) oder eine zu geringe Beseeltheit (Astralleib) mit der Folge von Depressionen. In unserer heutigen Zeit überwiegen darüber hinaus oftmals die Kräfte der Bewusstseinsentfaltung und der fühlenden Wahrnehmung der Aussenwelt mit der Folge von Nervosität und Reizbarkeit.

Krankheit entsteht folglich bei entsprechender Einseitigkeit. Steiner (2000) spricht davon, dass ein ausgewogenes Verhältnis vorhanden sein muss, damit sich beispielsweise im Rahmen der Organbildung und des Wachstums der astralische Leib in den ätherischen entsprechend einschalten kann oder nicht. Schmerz wäre in diesem Zusammenhang die Folge einer „Herabstimmung der ätherischen Tätigkeit“, während es im umgekehrten Fall zu Lust und Wohlbehagen komme. Lust beim Wachsen über ein gewöhnliches Maß hinaus bezeichnet Steiner als Schmerz. So kann leicht Lust in Schmerz und Schmerz in Lust übergehen. Dieses Verhältnis der Wesensglieder gilt es beim kranken Menschen zu erkennen, damit die passenden Heilmittel gefunden werden können. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf dem rhythmischen System und dem Ätherleib als Quellen der Heilung. 

Anthroposophische Heilmittel 

Entsprechend den dargestellten Grundsätzen kommen anthroposophische Heilmittel gezielt zum Einsatz, wenn es darum geht auf die Wesensglieder und/oder im Rah-men der funktionellen Dreigliederung gezielt auf den Organismus einzuwirken. Mangelt es einem Menschen an einer bestimmten Kraft, oder gibt es einen entsprechenden Überschuss, versucht man diese Unausgewogenheit in der Therapie mithilfe des ausgewählten Heilmittels auszuglei-chen. Dies ist ein vom homöopathischen Ähnlichkeitsprinzip grundlegend zu unterscheidender Ansatz. 

Herstellungsverfahren anthroposophischer Heilmittel

Von wesentlicher Bedeutung sind neben den Potenzen die pharmazeutischen Prozesse zur Her-stellung anthroposophischer Heilmittel. Unter Anwendung verschiedener Wärmestufen kommt es zu folgenden unterschiedlichen Herstellungsverfahren:

Kaltauszug

Mazerat, Kaltwasserauszug. Mazeration mit kaltem Wasser als Lösungsmittel.

Wirkt mehr oder weniger unspezifisch auf den gesamten Organismus.

Digestion

Auszug unter Rühren bei 37°C.

Mazeration bei erhöhter Temperatur.

Wirkt gut auf Herz- und Kreislauf.

Aufguss

Infus. Wässriger Extrakt, der gewonnen wird, indem die Droge mit kochendem oder heißem Wasser übergossen wird und einige Minuten zieht.

Wirkt gut auf die Drüsen und fördert die Sekretion der Säfte.

Dekokt

Abkochung, Absud. Ein wässriger Extrakt, gewonnen durch Abkochen von festen Pflanzenbestandteilen wie Wurzeln, Rinde oder Hölzer.

Wirkt gut auf Verdauungsprozesse.

Destillation

Verdampfen und Kondensieren

Wirkt auf „feinere“ Stoffwechselprozesse.

Röstung

Trockenes, fettloses Erhitzen unter Wasserentzug und Herauslösen aromatischer Substanzen.

Wirkt gezielt auf die Verdauung und die Leber (Ort des ätherischen Wirkens).

Verkohlung

Chemischer Vorgang, bei dem organisches Material unter Austreibung von Gasförmigem (Luft) in Kohle umgewandelt wird.

Wirkt gezielt auf astrale Prozesse der Nieren (Einscheidungsorgane des Luftigen).

Veraschung

Verbrennung

Wirkt gezielt auf Lungenatmungsprozesse.